100 Millionen Euro: EU stockt Hilfe im Kampf gegen Vogelgrippe auf
zuletzt aktualisiert: 17.01.2006 - 19:05Peking/Van (rpo). Die Europäische Union und einige Einzelstaaten haben ihre Hilfszusagen für den Kampf gegen die Vogelgrippe kräftig aufgestockt. Hintergrund sind immer neue Verdachtsfälle in der Türkei und in Indonesien. Zu Beginn einer zweitägigen Geberkonferenz in Peking sagte EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou am Dienstag, Brüssel werde 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen, 20 Millionen mehr als zunächst vorgesehen.
Insgesamt werden nach Angaben der Weltbank 1,5 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro) benötigt, um die auch für den Menschen gefährliche Tierseuche einzudämmen.
In der Türkei rang am Dienstag ein infizierter Junge mit dem Tod. Der Fünfjährige befinde sich in einem kritischen Zustand, sagte eine Krankenschwester in der Klinik der osttürkischen Stadt Van. Seine Schwester war am Wochenende dem H5N1-Virus erlegen. Die Familie stammt aus Dogubayazit, wo bereits vier Kinder an Vogelgrippe starben. Alle hatten Kontakt mit kranken Hühnern.
Und vermutlich ist in der Türkei ein weiteres Kind an der Vogelgrippe erkrankt. Bei ersten Tests sei der gefährliche Erreger H5N1 festgestellt worden, eine Bestätigung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stehe aber noch aus, teilte das Gesundheitsministerium in Ankara mit. Das Kind stamme ebenfalls aus Dogubayazit. Das Geschlecht und das genaue Alter des Patienten wurden nicht bekannt gegeben. Wenn sich der Verdacht in weiteren Untersuchungen bestätigt, wäre es bereits der 21. Fall von Vogelgrippe beim Menschen in der Türkei. Bis auf zwei Ausnahmen handelte es sich bei allen Patienten um Minderjährige.
Das Vordringen der Vogelgrippe beschäftigt am Mittwoch auch den Bundestag in Berlin bei seiner ersten Sitzung in diesem Jahr. Auf Antrag der CDU/CSU-Fraktion debattiert das Parlament am Nachmittag auch über die entsprechenden Schutzmaßnahmen der Bundesregierung. Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) wird dabei den Abgeordneten über die Situation sowie die Planungen von Bund und Ländern berichten, wie eine Ministeriumssprecherin am Dienstag mitteilte.
Auch in Indonesien fiel der Vogelgrippe offenbar ein weiterer Mensch zum Opfer. Auf der Insel Java starb ein drei Jahre alter Junge. Wenige Tage zuvor war seine Schwester ersten Tests zufolge dem H5N1-Virus zum Opfer gefallen. Die Todesursache des Kleinkinds werde untersucht, doch gehe man davon aus, dass der Junge ebenfalls mit der Vogelgrippe infiziert gewesen sei, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Ein drittes Kind der Familie zeige ebenfalls Vogelgrippe-Symptome.
FAO für schärfere Kontrollen an EU-Flughäfen
Knapp die Hälfte der Mittel, die die EU in Peking bereitstellte, soll in Projekte der am schwersten betroffenen Staaten Vietnam, Kambodscha, Indonesien, Thailand und Laos gesteckt werden. Die schwedische Regierung steuerte 70 Millionen Kronen bei, umgerechnet 7,5 Millionen Euro. Der Schweizer Pharmakonzern Roche spendet auf der Geberkonferenz weitere Bestände des Grippemittels Tamiflu. Das Unternehmen wolle den armen Ländern 20 Millionen Tabletten zur Verfügung stellten, teilte eine WHO-Sprecherin mit. Roche hat zuvor schon Tamiflu-Vorräte für drei Millionen Menschen gespendet.
Die Weltbank schätzt den Schaden, den eine menschliche Grippe-Pandemie anrichten könnte, auf 800 Milliarden Dollar (640 Milliarden Euro) jährlich. Einem Bericht des Handelsblattes (Mittwochsausgabe) zufolge sind die meisten Länder völlig unzureichend auf eine Epidemie vorbereitet. Von 250 Staaten und Territorien, die die UN erfasst hätten, hätten nur 50 einen Notfallplan, zitierte die Zeitung den WHO-Grippeexperten Klaus Stöhr. Auf dem afrikanischen Kontinent verfüge allein Südafrika über ein entsprechendes Konzept.
Die UN-Welternährungsorganisation (FAO) forderte unterdessen strengere Kontrollen auf den Flughäfen der EU. Die Europäer sollten von allen Passagieren aus Nicht-EU-Staaten eine schriftliche Deklarierung aller landwirtschaftlichen Produkte verlangen, sagte der FAO-Direktor für Tierproduktion und Gesundheit, Samuel Jutzi. Die Entscheidung darüber liege bei der EU-Kommission.
Jutzi sagte, der Vorschlag stamme von Verantwortlichen des Frankfurter Flughafens, wo bei Kontrollen von 37.000 Passagieren von September bis Dezember 9,5 Tonnen unerlaubt eingeführte Lebensmittel beschlagnahmt worden seien. In Frankfurt kämen täglich 80 Flüge aus Ländern an, in denen die Vogelgrippe aufgetreten sei.
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