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Stromprojekt Desertec: Europas Klimaträume in der Wüste

zuletzt aktualisiert: 10.07.2009 - 15:35

München (RPO). Die Hoffnungen auf den Wüstenstrom sind schlicht gigantisch: Der Umweltzerstörung soll er Einhalt gebieten, aus Milliarden-Investitionen Erlöse in Billionenhöhe machen und als Nebenprodukt das Problem des Terrorismus eindämmen.

In der Sahara soll die Sonne für die Stromproduktion genutzt werden.  Foto: AFP, AFP
In der Sahara soll die Sonne für die Stromproduktion genutzt werden. Foto: AFP, AFP

Der Startschuss für diese angebliche Wunderwaffe gegen viele Probleme der Welt fällt am Montag in München. Dann wollen die rund 20 an der Industrieinitiative Desertec beteiligten Konzerne und Unternehmen ein "Memorandum of Understanding" unterzeichnen. Allerdings fehlt es auch nicht an Kritik an dem Projekt, das manchen mehr wie eine Bedrohung denn eine Rettung erscheint und bei dem noch viele Fragen offen sind.

Bis 2050 ca. 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken

Im Kern geht es bei Desertec darum, in der Sahara aus Sonne und Wind Strom zu gewinnen und diesen zu einem großen Teil nach Europa zu transportieren. Mitten in der Wüste sollen riesige Solarkraftwerke und Windparks entstehen, die mit ihrer Leistungsfähigkeit bis 2050 etwa 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken können.

Über Hochspannungsnetze, die zum Teil über den Grund des Mittelmeers verlaufen sollen, soll der Strom in die EU transportiert werden. Die Technologien dafür existieren bereits, sie müssen "nur" in Nordafrika aufgebaut werden. Das nötige Investitionsvolumen soll bei astronomischen 400 Milliarden Euro bis zum Jahr 2050 liegen, die möglichen Umsatzerlöse mit zwei Billionen Euro aber noch höher.

Merkel unterstützt Projekt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht in der vordersten Linie der Unterstützer des Projekts, an dem von deutscher Seite unter anderem die Münchner Rück, Siemens, RWE und Eon beteiligt sind. Im Auftrag des Bundesumweltministeriums angefertigte Studien zeigten der Kanzlerin, dass Desertec einen entscheidenden Beitrag zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes leisten kann.

Merkels Klimaberater Hans Joachim Schellnhuber lobt Desertec in höchsten Tönen: "An diesem Vorhaben kommt niemand vorbei: Die Solarenergie aus großen Kraftwerken im Sonnengürtel der Erde wird zukünftig eine strategische Rolle bei der globalen Energieversorgung spielen - und das ganz ohne Nebenwirkungen und Endlagerprobleme", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Obendrein versprechen sich Außenpolitiker durch Desertec für Nordafrika eine stabilisierende Wirkung und damit ein Mittel gegen den Terrorismus.

"Warum in die Ferne schweifen"

Doch in die breite Unterstützung - auch Greenpeace ist für Desertec - mischen sich kritische Stimmen. Allen voran der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, der auch Vorsitzender der Vereinigung Eurosolar und Experte für erneuerbare Energien ist, lehnt Desertec ab. "Warum in die Ferne schweifen?", ist die zentrale Frage Scheers.

Seiner Meinung nach werde es angesichts der rasanten Fortschritte bei der Solartechnik bis zur Fertigstellung der Wüstenkraftwerke günstiger sein, dieselben Mengen an Solarstrom in Deutschland zu produzieren. Seiner Auffassung nach kann Desertec deshalb nur zum Erfolg werden, wenn auf Druck der beteiligten Konzerne der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland gestoppt wird.

Außerdem unterschätzten die Konzerne die Widrigkeiten für die Wüstenkraftwerke etwa durch Sandstürme, sagt Scheer und warnt bereits vor einer großen Subventionsruine.

Scheer dürfte sich durch die jüngsten Äußerungen von Fritz Vahrenholt, dem Chef der RWE-Ökostromsparte Innogy, in seiner Skepsis bestärkt fühlen. In der "Financial Times Deutschland" forderte Vahrenholt zum Einen eine staatliche Anschubfinanzierung nach dem Vorbild des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Zum Anderen relativierte er die Möglichkeiten durch Desertec.

"Was mir an der ganzen Diskussion nicht gefällt, ist, dass Leute glauben, wir bauen einfach eine Leitung nach Deutschland und haben dann Wüstenstrom." Stattdessen müssten zunächst Ägypten, Tunesien oder Marokko von der Energie profitieren - bis der erste Strom aus der Sahara in Deutschland ankommt, ist es also noch ein langer Weg.

Quelle: AFP

 
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