Ausstellung: Expeditionen ins Innere des Menschen
VON WOLFRAM GOERTZ - zuletzt aktualisiert: 08.02.2011 - 19:13Leverkusen (RP). Im Baykomm, der Kommunikationszentrale des Bayer-Konzerns in Leverkusen, wird derzeit die faszinierende Ausstellung „Einblicke in den Körper“ gezeigt. Sie bietet über 60 raffinierte mehrdimensionale, künstlerisch nachbearbeitete Bilder aus Computer- und Magnetresonanztomografie.
Gelegentlich guckt man einem Radiologen über die Schulter, wenn er die unsrige geröntgt hat. Erkennen wird der Laie nie viel oder allenfalls Konturen – und sobald es an die Feinschnitt-Bilder aus CT (Computertomografie), aus MRT (Magnetresonanztomografie) oder an die nuklearmedizinischen Sonderwelten des PET (Positronen- Emissions-Tomografie) geht, wird er vollends kapitulieren: Was ist denn hier was? Wo ist hier oben und unten, wo vorn, wo hinten?
Aus Einzelbildern kann man Gesamtbilder komponieren – und wohin diese Kunstfertigkeit führen kann, können nun Besucher des Bayer-Kommunikationszentrums (BayKomm) in der Ausstellung „Einblicke in den Körper“ betrachten. Das Faszinierende der Schau: Viele Aufnahmen erinnern eher an bunte, spektakuläre Gemälde als an nüchterne medizinische Bilder.
Ausstellung "Einblicke in den Körper" im BayKomm Leverkusen, Kaiser-Wilhelm-Allee
Dauer bis 13. Februar
Öffnungszeiten montags bis freitags 12 bis 18 Uhr, sonntags 12 bis 17 Uhr.
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.
www.baykomm.bayer.de
Mit Röntgenstrahlen fing alles an
Bei der Eröffnung gab Gereon Maurer-van Os Einblicke in die Geschichte der bildgebenden Diagnostik und die Rolle von Kontrastmitteln (bei denen Bayer weltweit eine führende Rolle einnimmt). Mit Röntgenstrahlen fing alles an. Vor 115 Jahren entdeckt, konnten sie damals jedoch nur Knochen darstellen.
Heute ist das anders: Inzwischen können auch Hohlräume wie der Verdauungstrakt und Gefäße sichtbar gemacht werden. Später kamen weitere Diagnoseverfahren hinzu: CT und MRT (auch Kernspintomografie genannt) erlauben noch tiefere Einblicke in den Körper und helfen den Medizinern, Krankheiten aufzuspüren und Angriffspunkte für die individuelle Therapie zu bieten. In der Tat hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Qualität der Bildgebung in der Medizin massiv verbessert. Dazu zählt auch die molekulare Bildgebung.
Mit der Entwicklung neuartiger Marker für die PET-Untersuchung lassen sich Erkrankungsprozesse wie beispielsweise die Alzheimer- Krankheit auf molekularer Ebene erkennen, indem bestimmte Eiweißablagerungen nachgewiesen werden. Bislang ist dies erst im Gehirn bereits Verstorbener möglich. Die molekulare Bildgebung eröffne den Weg zu einer maßgeschneiderten, personalisierten Behandlung und damit zu einer besseren Medizin, hieß es bei der Eröffnung.
Wie eine Irokesenfrisur
Rund 60 Bilder zeigen, wie detailreich und teilweise ungewöhnlich diese Aufnahmen heute sind – zum Beispiel die Darstellung eines menschlichen Schädels oder eines Herzens mittels einer Computertomographie. Mit spezieller Farbgebung lassen sich auch Hirnstrukturen – etwa das Corpus callosum, das die Hirnhälften verbindet – wie eine Irokesenfrisur darstellen.
Dann geht man auf den Bildern wie in einer langen Reise spazieren, wenn ein Ganzkörper-Scan das Gefäßsystem des Menschen vom Scheitel bis zur Sohle auffächert. Erläuterungstafeln helfen, die biologischen Grundlagen und medizinischen Zusammenhänge besser zu verstehen. Darüber hinaus lassen sich aus MRT-Bildern durch moderne Nachbearbeitung mittlerweile wahre Kunstwerke gestalten – einige solcher Beispiele sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.
Selbstverständlich wird in der Gesundheitspolitik heftig darüber gestritten, wie wir die Kostenexplosion der bildgebenden Verfahren noch finanzieren sollen. Gelegentlich darf man sich von diesen Debatten freimachen und Medizin als Kunst genießen – die uns nebenbei erklärt, wie wir funktionieren und in dieser Funktion alle Zutaten eines Wunderwerks in uns vereinen.
Nicht unbedingt ein Segen
Andererseits ist die hohe Kunst der Diagnostik, die von hochraffinierten bildgebenden Verfahren dominiert wird, nicht jederzeit zur Gesundung hilfreich. Dies muss jeder Mensch wissen, der sich in eines dieser hochmodernen Geräte legt: Mit dem Ergebnis muss er für Jahre leben. Dass man einen Tumor früh identifiziert, heißt ja nicht unbedingt, dass man ihn auch entschärfen oder gar heilen kann. Die Erkenntnis über seine Existenz verlängert möglicherweise nur die Behandlung (und das Leiden), aber nicht das Überleben.
Und wer weiß, dass er Krebs in sich hat, dessen Leben verändert sich psychisch so stark, dass er manchmal wünschte, er hätte sich nie ins CT gelegt, sondern wäre als Unwissender irgendwann an diesem Krebs im finalen Zustand einfach gestorben.
Das sind aber ethische Grenzund Ausnahmefragen. Die Realität ist so bezwingend, dass niemand ein CT-Gerät missen möchte, das etwa eine Lungenembolie oder einen Hirninfarkt zweifelsfrei nachweist. In diesen und vielen anderen Fällen rettet moderne Technologie nichts weniger als das Leben.
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