Weltkongress diskutiert Wetterkatastrophen: Extremwetterereignisse bedrohen Millionen
zuletzt aktualisiert: 06.05.2003 - 17:14Genf (rpo). Am Montag wüteten mehrere Tornados in den US-Staaten Kansas, Missouri und Tennessee sowie am Dienstag in Bangladesch. Ganze Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht, Dutzende Menschen starben. Weltweit sind Millionen von Menschen durch solche Extremwetterereignisse gefährdet.
Das Thema hat in diesen Tagen wieder erschreckend an Aktualität gewonnen. Die Vorbeugung gegen solche Naturkatastrophen ist ein zentrales Thema des 14. Kongresses der Weltwetterorganisation WMO in Genf.
"Die WMO spielt eine Hauptrolle bei der Bekämpfung von wetter- und klimabedingten Katastrophen, die über 70 Prozent aller natürlichen Katastrophen ausmachen", sagte der nigerianische WMO-Chef Prof. G.O.P. Obasi in seiner Eröffnungsansprache. Bis zum 24. Mai werden rund 600 internationale Experten und die 185 Mitglieder der Spezialorganisation der Vereinten Nationen nach neuen Wegen suchen, um Unwetterwarnungen, Atmosphärenbeobachtung und den länderübergreifenden Austausch von Wetterinformationen zu optimieren.
In den vergangenen Jahrzehnten seien bereits große Fortschritte gemacht worden, die zahlreiche Menschenleben gerettet hätten, sagte Obasi. Grund seien die immer stärkere Zusammenarbeit verschiedenerer weltweiter Organisationen, ein besserer Informationsaustausch und gegenseitige Unterstützung. So arbeitet die WMO beispielsweise aktiv mit der UN-Behörde "Internationale Strategie für die Reduzierung von Katastrophen" (ISDR) zusammen und hilft beim Aufbau internationaler Forschungszentren, wie dem "El Niño"-Projekt in Ecuador.
Besonders Asien ist schwer von den Auswirkungen der Klimaveränderung und Naturkatastrophen betroffen. Mehr als 150 Zyklone haben in den vergangenen 100 Jahren die Nordküste des Golfs von Bengalen heimgesucht. In Bangladesch bereiten sich die Menschen mittlerweile systematisch auf die Stürme vor, die mit einer Windgeschwindigkeit von bis zu 300 Kilometern pro Stunde alles zerstören, was ihnen im Weg liegt.
"Wir haben es geschafft, einen wertvollen Beitrag zur Überwachung und Vorhersage dieser Phänomene zu leisten, um so die Bevölkerungen frühzeitig zu warnen", erklärte Obasi. In Bangladesch sei die Zahl der von Zyklonen schwer betroffenen Menschen von 250 000 im Jahr 1971 auf 13 000 im Jahr 1991 und auf 200 im Jahr 1994 reduziert worden.
Der WMO-Kongress, bei dem Deutschland durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) vertreten ist, findet seit 1951 alle vier Jahre statt. Das Programm, das diesmal gestemmt werden soll, ist angesichts der unzähligen weltweiten Wetter- und Klima-Probleme gewaltig.
Neben dem Katastrophenschutz geht es bei dem WMO-Treffen auch um das Thema Hydrologie. Denn Schätzungen von Forschern zufolge werden im Jahr 2025 vier Milliarden Menschen - die Hälfte der Weltbevölkerung - unzureichend mit Wasser versorgt sein. Zunehmende Bewässerung in der Landwirtschaft führt zur Austrocknung der Flüsse in China und Nordamerika, in vielen Städten in Entwicklungsländern haben die Menschen kein sauberes Trinkwasser - Ruhr und Cholera sind die Folgen. "Die zukünftigen Kriege werden sich hauptsächlich um das Wasser drehen", prophezeien Experten schon länger.
Diesbezüglich hat auch die WMO derzeit wenig Hoffnung. "Das Problem der Weltwasserressourcen wird in der nahen Zukunft noch größer werden", glaubt Obasi. Deshalb rief er die Kongress-Teilnehmer auf, die derzeitigen Aktivitäten der Organisation in den kommenden Tagen kritisch zu überprüfen: "Wir müssen eine Führungsrolle übernehmen, um in den nächsten Jahrzehnten die wichtige Wasser-Frage in unseren Mitgliedstaaten anzugehen."
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