Nordseeküste: Forscher rechnen nicht mit Tsunamis
zuletzt aktualisiert: 17.01.2006 - 13:06Hamburg (rpo). Seit der verheerenden Tsunami-Katastrophe sind auch deutsche Küstenbewohner unsicher, ob nicht eine ebensolche Monsterwelle auch die Nordseeküste heimsuchen könnte. Nach Untersuchungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) ist eine Gefährdung recht unwahrscheinlich.
Die flache Nordsee wirke als Bremse, sagte BSH-Präsident Peter Ehlers am Dienstag in Hamburg. Die Auswirkungen einer von Norden einlaufenden Tsunamiwelle wären etwa 1,50 Meter hohe Wellen, deutlich weniger als bei einer schweren Sturmflut.
Mehr als 60 Experten haben dazu nach BSH-Angaben umfangreiche Modellsimulationen berechnet. Ausgangspunkt des Szenarios ist ein riesiger Abbruch vom norwegischen Festland-Sockel. Dies passierte nach Angaben des Amtes zuletzt im 15. Jahrhundert. Für die deutsche Nordseeküste ergebe sich in einem solchen Fall eine Vorwarnzeit von rund sechs Stunden, sagte Ehlers. Er fügte hinzu: "Wir sehen da überhaupt keine reale Gefahr." Ein besonderes Frühwarnsystem sei deshalb nicht erforderlich. Gefährdet sei dagegen beispielsweise die englische Küste.
Außerdem simulierten die BSH-Wissenschaftler gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst und der Universität Siegen extreme Nordsee-Sturmfluten. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass im schlimmsten Fall die bislang aufgetretene höchste Sturmflut von 1976 mit 6,45 Meter über Normal Null in Hamburg um maximal 1,50 Meter überschritten würde, sagte Ehlers. Die Eintrittswahrscheinlichkeit liege allerdings bei 1:10.000. Selbst für diese Wasserstände wären keine zusätzlichen Küstenschutzmaßnahmen erforderlich.
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