Untersuchung im Isotopenlabor: Freiberger Wissenschaftler untersucht Troja-Funde
zuletzt aktualisiert: 08.07.2003 - 10:43Freiberg (rpo). Woher kamen die Fremden, die Troja nach der Zerstörung besiedelten? Eine Antwort im Isotopenlabor will Ernst Pernicka, Archäometrieprofessor von der TU Bergakademie im sächsischen Freiberg, finden.
Dazu untersucht er die chemische Zusammensetzung von rund 3000 Jahre alten Keramiken und Bronzewaren. Der Forscher will herausfinden, aus welchen Lagerstätten die Ausgangsmaterialien stammen. "Die Archäometrie eröffnet neue Möglichkeiten für die Geschichtsforschung, ohne die herkömmliche Archäologie von Spaten und Pinsel zu ersetzen", sagt Pernicka. Zu seinen bisher berühmtesten Forschungsobjekten zählen die "Himmelsscheibe von Nebra" und das in Süddeutschland entdeckte Gold der Kelten.
Erste Ergebnisse zu den Funden von Troja würfen bereits jetzt einige herkömmliche Theorien über Bord, meint Pernicka. Danach stammen die dort ausgegrabenen Bronzestücke aus der Zeit des Trojanischen Krieges nicht aus der Ägäis oder vom Balkan wie bisher angenommen. Das Kupfer und Zinn der Bronzefunde muss nach Pernickas bisherigen Untersuchungen aus Zentralasien kommen. Troja sei offensichtlich ein wichtiger internationaler Handelsknoten gewesen.
Hinweise durch Analysen von Keramiken
Auch Analysen von Keramiken gäben Hinweise auf Fernverbindungen. Nach optischen Kriterien lassen sich in Troja rund 80 verschiedene keramische Warentypen unterscheiden, doch in der näheren Umgebung gab es nur zwei verschiedene Arten von Ton. Mit deren Analyse kann der Professor feststellen, welche Keramiken lokal hergestellt wurden und woher die Importwaren kamen. So stehe jetzt schon fest, dass der größte Teil der schön verzierten "Mykenischen Keramik" zwischen 1600 und 1200 v.Chr., also genau in der Zeit des Trojanischen Krieges ein Verkaufsschlager, wirklich aus Mykene kam. Ein Teil jedoch sei aus trojanischem Ton nachgeformt - ein Hinweis darauf, dass auch mykenische Handwerker in die Stadt geholt worden sein könnten.
Vor allem aber will Professor Pernicka ein Rätsel lösen, über das schon frühere Ausgräber Trojas grübelten: In "Troia VII", derjenigen von zehn Schichten, die auf der zerstörten Stadt errichtet wurde, findet sich durchgängig die so genannte "Buckelkeramik", im Englischen als "barbarische Keramik" bezeichnet. Sie ist nicht wie die mykenische auf der Drehscheibe gefertigt, sondern in Ringwulsttechnik. Das sei technisch gesehen ein Rückschritt, sagt der Forscher.
"Die Archäometrie ist gelegentlich Schiedsrichter zwischen konkurrierenden Hypothesen"
Daraus folgerten Archäologen, dass sich erneut Fremde in Troja ansiedelten und ihre Kultur mitbrachten. Vermutet wurde als Ursprungsort der Balkan, Spuren dieser Kultur sind bis in die Lausitz zu finden. Gemeinsam mit zwei Doktoranden aus Tübingen will Professor Pernicka durch geochemische Analysen des Tons herausfinden, woher die Fremden wirklich kamen.
"Die Archäometrie ist gelegentlich Schiedsrichter zwischen konkurrierenden Hypothesen", sagt der Wissenschaftler über seine Arbeit. "Auch wenn wir oft nur eine vermutete Herkunftsregion ausschließen können und selbst nicht wissen, woher etwas kam, ist das eine wichtige Information." Nicht die Lagerstätten forcierten zwangsläufig den Aufschwung einer Gegend, meint Pernicka. Es sei auch anders möglich. Wenn sich ein Fundort bewährt hat, dann wurde er in großen Regionen bekannt. "Entfernungen spielten keine Rolle und wurden überwunden, wenn es sich gelohnt hat."
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