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Herkunft unklar: "Geisterwolken" im Wetterradar

zuletzt aktualisiert: 31.03.2006 - 11:38

Bonn (rpo). In den vergangenen Wochen erschienen immer wieder "Wolken" im Wetterradar, die gar nicht existierten. Meteorologen vermuten Experimente in der Atmosphäre und informierten Justiz und Politik. Doch bisher gibt es keine Erklärung - und auch keine Reaktion der Politiker.

Über Europa wurden im Wetterradar schon mehrfach mysteriöse Geisterwolken entdeckt.  Foto: AP, APAP
Über Europa wurden im Wetterradar schon mehrfach mysteriöse Geisterwolken entdeckt. Foto: AP, APAP

Erst vor ein paar Wochen haben die Meteorologen des Wetterservice Donnerwetter.de den Fall der so genannten "Phantomwolke" öffentlich gemacht. Im Juli 2005 zeigte das Wetterradar über Norddeutschland eine 350 Kilometer lange Wolke, die gar nicht existierte. Das Radarecho wurde durch Experimente erzeugt, vermuten Wissenschaftler.

In der vergangenen Woche tauchten nun neue, rätselhafte Strukturen in den Radarbildern über Deutschland auf: "Am 20. März entdeckten wir ein vermutlich künstlich erzeugtes Radarecho, das von der Nordsee nach Niedersachsen zog", sagt Karsten Brandt von Donnerwetter.de. "Und am 23. März gab es eine weitere 'Phantomwolke', die sich offensichtlich von der Mitte Deutschlands nach Norden bewegte!"

Diese neuen Erscheinungen konnten noch nicht endgültig überprüft werden, aber: "Nach der Struktur und der Ausbreitung riecht alles nach einem weiteren künstlich erzeugten Radarecho", meint der Meteorologe Michael Klein.

Bundeswehr dementiert

Sehr ausführlich analysiert wurde das merkwürdige Radarecho, das bereits am 19. Juli 2005 von der Nordsee kommend über Norddeutschland hinweg zog. Nach den Radarbildern hätte es über den Niederlanden starke Schauer oder sogar Gewitter geben müssen, über Niedersachsen hätte Regen fallen können.

Doch die Struktur dieser "Radarwolke" erschien nicht im Satellitenbild und auch die Meldungen der Wetterstationen passten nicht. Wissenschaftler des Deutschen Wetterdienstes, des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt und des niederländischen Wetterdienstes untersuchten den Fall und konnten natürliche Ursachen ausschließen. "Es bleibt als plausibelste Erklärung, dass über der Nordsee in großer Menge Substanzen ausgesetzt wurden, die den Radarstrahl reflektierten", erklärt Brandt. Aus welchem Grund dies geschah, ist den Meteorologen schleierhaft.

Wenn es tatsächlich militärische Experimente waren, dann geschahen diese offenbar ohne die Bundeswehr. Denn Sprecher des Verteidigungsministeriums dementieren eine Beteiligung der deutschen Streitkräfte. Auch sei die Bundeswehr nicht über solche Experimente informiert worden. Eine Untersuchung der Vorfälle am Himmel über Deutschland gibt es bei der Bundeswehr aber anscheinend auch nicht.

Da die Meteorologen mit den Recherchen an ihre Grenzen stießen, erstattete Donnerwetter.de am 16. Februar 2006 Anzeige gegen Unbekannt. Wegen des Verdachts illegaler Wetterexperimente, der Täuschung der Öffentlichkeit durch manipulierte Radarbilder und möglicher Umweltverschmutzung durch die ausgesetzten Substanzen.

Gleichzeitig informierten die Bonner Meteorologen auch den Innenausschuss des Deutschen Bundestages, den Ausschuss für Auswärtiges, für Europafragen und den Ausschuss für Sicherheit. Darüber hinaus wurden Politiker der betroffenen Bereiche angeschrieben. Meteorologe Klein: "Bis jetzt haben wir keinerlei Reaktion erhalten."


 
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