Schlesien heute: Geschichtsbild: Polen als Opfer und Helden
zuletzt aktualisiert: 16.07.2008 - 14:54Düsseldorf (RP). Alle Politik in Polen bezieht sich bewusst auf Geschichte. Fraglich ist nicht, ob historische Fragestellungen in der aktuellen Politik eine Rolle spielen, sondern nur, welche Abschnitte oder Ereignisse der polnischen Geschichte heran gezogen werden, um Überzeugungen zu belegen oder auch nur, um Verdächtigungen zu streuen. So wurde noch vor wenigen Jahren der gegenwärtige Ministerpräsident Donald Tusk von der Partei des gegenwärtigen Präsidenten Lech Kaczynski attackiert , weil sein Großvater in der deutschen Armee gedient hatte.
Viele Polen sehen ihr Land (und ihre Vorfahren) als Opfer - als Opfer vor allem der großen Nachbarn Russland und Deutschland. Monatelang lief im vergangenen und diesem Jahr ein Film des bedeutenden Regisseurs Andrzej Wajda in den polnischen Kinos, In „Katyn“ schildert er, wie polnische Offiziere von den Sowjets 1940 erschossen wurden, nachdem sich das nationalsozialistische Deutschland und die stalinistische Sowjetunion 1939 auf die Teilung des Landes verständigt hatten. Freiheitsliebende Polen sind in diesem Film - wie auch in der damaligen Realität - Opfer totalitärer Nachbarstaaten.
Plakat-Ausstellung
Eine ähnliche Botschaft verbreitet eine Plakatausstellung in der Innenstadt von Breslau. Auf einem riesigen Plakat am Marktplatz ist die Schau „Freiwillig nach Auschwitz“ angekündigt, wenige Schritte weiter ist sie vor der Elisabethkirche aufgebaut. In Fotos und Dokumenten wird das Schicksal des polnischen Offiziers Witold Pilecki geschildert, der in der Zeit der deutschen Besetzung freiwillig in das Konzentrationslager Auschwitz ging, um dort einen Aufstand gegen die deutsche Besatzung zu organisieren. Als das fehlschlug, flüchtete er aus dem Lager und unterrichtete die Alliierten über den Massenmord an Juden in dem Vernichtungslager. Nach dem Krieg wurde Pilecki verhaftet und 1948 wegen angeblicher Spionage zum Tode verurteilt. Sein Verbrechen: Er hatte sich nicht den Kommunisten angeschlossen, sondern sich der antikommunistischen polnischen Londoner Exilregierung unterstellt.
Bemerkenswert an der Plakatausstellung ist, dass die Lage nationalbewusster Polen unter der kommunistischen Herrschaft als noch düsterer dargestellt wird, als unter der Nazi-Herrschaft. In einem der erläuternden Texte heißt es, die Sowjets hätten noch mehr Polen ermordet als die deutschen Besatzer
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum








