Konferenz im November: Im Schneckentempo gegen den Klimawandel
zuletzt aktualisiert: 31.10.2006 - 19:55Berlin (RPO). Der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten. Das ist Fakt, auch wenn man es inzwischen vielleicht schon nicht mehr hören mag. Von allen Seiten bekommt man Horrorszenarien präsentiert, wenn es um das Wetter der Zukunft geht. Doch so hektisch das Thema derzeit in der Öffentlichkeit behandelt wird, die eigentlichen Entscheidungsträger lassen es langsam angehen - viel zu langsam. Im November wird erst einmal wieder diskutiert.
Eine dramatische Nachricht jagt die nächste. Die britische Regierung warnt vor verheerenden wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels im Maßstab eines Weltkriegs. Ein ehemaliger US-Vizepräsident reist um die Welt, um Menschen aufzurütteln, die sich Ende Oktober leicht beklommen bei 24 Grad ins Straßencafé setzen. Die Gletscher schmelzen, Stürme verbreiten Angst und Schrecken, die Nordsee wird immer wärmer. Und der Ausstoß der Klimagase weltweit steigt und steigt.
Doch während die öffentliche Debatte über die katastrophalen Folgen des Treibhauseffekts immer hektischere Kreise zieht, kommen die Gegenmaßnahmen auf internationaler Ebene nur im Schneckentempo voran. Vom 6. bis 17. November treffen sich 189 Staaten erneut zu einer Weltklimakonferenz, diesmal im kenianischen Nairobi. Die Erwartungen an die im Fachjargon COP/MOP2 betitelte UN-Konferenz sind allerdings denkbar gering: Man will darüber reden, ob man 2007 anfangen kann, darüber zu reden, ob man nach 2012 Ernst machen könnte mit der Senkung des Ausstoßes an Klimagasen.
Seit Mitte Februar 2005 gilt das schon 1997 ausgehandelte Kyoto-Protokoll. Darin haben sich die Industriestaaten erstmals zu einer Senkung ihrer Treibhausgase verpflichtet, und zwar bis 2012 um immerhin fünf Prozent unter das Niveau von 1990. Allerdings hat dieses erste verbindliche Minderungsabkommen erhebliche Mängel.
So haben sich die USA, die 1997 noch mit an Bord waren, als größte Verursacher von Treibhausgasen zwischenzeitlich zum Boykott des Protokolls entschlossen. Die verbliebenen Vertragspartner - darunter auch die Europäische Union - kämpfen mit ihren Zielvorgaben. Und zu allem Überfluss melden sich Wissenschaftler von allen Seiten mit dem mahnenden Einwand: Leute, die Kyoto-Ziele reichen bei weitem nicht.
80 Prozent ihrer Emissionen vermindern
Um die Erwärmung des Globus bis 2100 im Mittel auf zwei Grad zu begrenzen, muss der Ausstoß an Klimagasen nach gängiger Meinung bis 2050 um 50 Prozent unter den Wert von 1990 gesenkt werden. Da aber zum Beispiel in Afrika und Asien die Emissionen noch steigen werden - weil in Hoffnung auf Wohlstand Tausende Fabriken und Kraftwerke gebaut werden und Milliarden Menschen ihr erstes Auto kaufen wollen -, müssen die Industrieländer noch weit mehr tun. Die, die mit ihrem Jahrhundert der Industrialisierung den Klimawandel eingeleitet haben, müssen bis 2050 insgesamt 80 Prozent ihrer Emissionen vermindern, ist die landläufige wissenschaftliche Meinung.
Auf internationaler Ebene geht es nun also darum, für die Zeit nach Ablauf des Kyoto-Protokolls 2012 zu einer ernst zu nehmenden Anschlussregelung zu kommen. Auf dem jüngsten Klimagipfel vor einem Jahr in Montreal vereinbarten die Partner der Klimarahmenkonvention von 1992 immerhin, dass es so ein Abkommen geben soll. In Nairobi soll nun nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen darüber gesprochen werden, mit welchem Mandat ab 2007 konkret verhandelt werden kann. Das Abkommen selbst soll erst 2009 stehen.
"Lieber heute als morgen"
Auch die Unterhändler sind mitunter entnervt von diesem zähen UN-Prozess. "Wenn es nach uns geht, dann sollte es lieber heute als morgen losgehen" mit den konkreten Verhandlungen, heißt es in der deutschen Delegation. "Aber wir müssen alle mit an Bord bekommen." Denn für das Nach-Kyoto-Abkommen sollen nicht nur dessen Vertragspartner gewonnen werden, sondern alle Beteiligten, also auch die USA und auch die Schwellen- und Entwicklungsländer, die stufenweise ebenfalls ihre Emissionen drosseln sollen.
Da aber gebe es etliche Bremser, heißt es. Neben den USA und den Ölexporteuren des Nahen Ostens haben China, Indien und andere Schwellenländer auch schon bei früheren UN-Gipfeln Sand ins Getriebe gestreut. Nötig sei noch viel Überzeugungsarbeit, heißt es in der deutschen Delegation.
Fortschritte erwartet man sich den Angaben zufolge aber bei den so genannten Anpassungsmaßnahmen, das heißt bei der Milderung der Folgen des Klimawandels etwa durch Deichbau. Da die in den Industrieländern verursachte Erwärmung vor allem die ärmsten Länder im Süden trifft, ist ein Fonds mit bis zu 400 Millionen Dollar geplant, aus dem Anpassungsmaßnahmen finanziert werden sollen. Obwohl auch dies längst beschlossen ist, liegt die praktische Umsetzung nach Darstellung der Regierungskreise noch im Argen. Man hoffe in Nairobi auf einen "signifikanten Fortschritt bei der Operationalisierung des Fonds", hieß es.
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