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Klimawandel: Katrina - der Mensch ist schuld

zuletzt aktualisiert: 24.08.2006 - 14:04

Düsseldorf (RP). Eine Studie belegt den Zusammenhang zwischen Klimawandel und der Erwärmung der Meere. Die Folge: Es wird künftig mehr und stärkere Hurrikans geben - wie Katrina, der 2005 New Orleans verwüstete.

Sie schrauben sich 15.000 Meter und höher hinauf und entfalten ihre orkanartigen Winde bis zu 2000 Kilometer weit - Hurrikans oder Wirbelstürme. Schon ein durchschnittlicher Vertreter hat mit 1,5 Billionen Watt eine Kraft, die etwa der Hälfte der weltweiten elektrischen Energieerzeugung entspricht. Und Katrina war alles andere als durchschnittlich: Der Hurrikan verwüstete im August vergangenen Jahres New Orleans.

Den Grund für die gewaltige Zerstörungskraft des Tropenwirbels meint James Brian Elsner, Professor für Geografie an der Florida State University in Tallahassee, nun entdeckt zu haben. Im Fachblatt „Geophysical Research Letters“ veröffentlicht er heute eine Analyse der Klimadaten aus 135 Jahren.

Und er kommt zu dem Schluss, dass wir mehr oder weniger selbst die Ursache sind. Denn die Erwärmung des Nordatlantiks lässt sich auf die Erwärmung der Atmosphäre zurückführen - für die der Mensch und der industriell verursachte Kohlendioxid-Ausstoß verantwortlich sind: Der Temperaturanstieg in der bodennahen Luftschicht bewirke den Temperaturanstieg der Meeresoberfläche. Dies sei „der erste direkte Beleg“ für den Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und aktiver gewordenen Hurrikane im Atlantik.

Hohe Wassertemperatur notwendig

Denn die Stürme entstehen erst, wenn das Wasser wärmer als 26 Grad ist. Dann kann es großflächig verdunsten und nach oben steigen: An der Meeresoberfläche entsteht ein Unterdruck. Immer mehr Luft strömt nach, wird wie in einem Schornstein nach oben gesogen und bildet Wirbel aus. Die Geburt eines Hurrikans.

Allerdings muss der Ozean bis in eine Tiefe von 50 Metern und mehr warm sein - weil kaltes Wasser das System wieder zerstören würde. Die Karibik ist für diese Rolle als Kinderstube prädestiniert, weil dort das Meer warm ist und Störungen der Passatströmung schnell zu Stürmen heranwachsen können. In der Hurrikan-Rekordsaison 2005 waren es so viele, das erstmals das Alphabet nicht mehr ausreichte, um allen fortlaufende Namen zu geben.

Wissenschaftliche Schützenhilfe erhält Elsner von Kevin Trenberth und Dennis Shea vom „National Center for Atmospheric Research“ die sich ebenfalls durch Wetterarchive gearbeitet haben. Sie haben die global gemittelte Meerestemperatur mit der im tropischen Nordatlantik verglichen und kamen bereits im Juni zum Schluss, dass natürliche Temperaturschwankungen alleine nicht die Erwärmung des Meeres erklären kann- vor allem nicht in der Saison 2005, als die Oberflächentemperatur des Wassers um fast ein Grad über dem Mittelwert lag. Die Ursache könne nur die Klima-Erwärmung sein.

Noch nicht zu spät

Trotz dieser Ergebnisse sind nicht alle Wissenschaftler von der logischen Kette der beiden Forschergruppen überzeugt. Der Pionier der Hurrikan-Forschung, William Gray, beispielsweise hat Zweifel am Datenmaterial, weil „bis zum Einsatz von Wettersatelliten in den 70er Jahren viele Stürme nicht analysiert worden sind“. Und Christopher Landsea von der US-Wetterbehörde kritisiert, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten keine beständige Zunahme der Hurrikan-Intensität beobachtet worden sei-was aber eine logische Folge der Studien wäre.

Für den deutschen Physiker und Klimaforscher Stefan Rahmstorf, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung zum Thema globale Umweltveränderungen, stellen die Ergebnisse von Elsner dagegen keine Überraschung dar. Sie seien ein weiterer Baustein, der bestätige, dass „stärkere Hurrikans die Folge einer wärmeren Meerestemperatur sind“.

Und dieser Anstieg sei „zum überwiegenden Teil auf die globale Erwärmung zurückzuführen“. Das sei allerdings kein Sonderphänomen der Tropen. Eine Studie von Kerry Emanuel habe bereits gezeigt, dass sich die Zerstörungskraft der Hurrikans seit den 70ern weltweit verdoppelt hat. Und mit „Vince“ entstand Anfang Oktober 2005 bereits ein Wirbelsturm direkt vor den Küsten Südeuropas.

Noch sei es nicht zu spät, diese Entwicklung aufzuhalten, sagt Rahmstorf. Zwar lasse sich die globale Erwärmung nicht sofort stoppen, aber „wir können es bis Mitte des Jahrhunderts schaffen“. Und das auf einem Niveau, dass „die Folgen noch beherrschbar bleiben“.


 
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