Vogelgrippe: Katzen und Hunde müssen kurz gehalten werden
zuletzt aktualisiert: 01.03.2006 - 14:26Berlin (rpo). Um eine Übertragung der Vogelgrippe auf Säugetiere wie Hunde und Katzen und auf den Menschen zu verhindern, dürfen die Tiere künftig bundesweit in den Sperrzonen nur noch an der Leine gehalten werden bzw. müssen ganz im Haus bleiben. Die Eilverordnung gilt ab sofort. Weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Übertragung des gefährlichen H5N1-Virus will Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag bekannt geben.
Nach der ersten Übertragung des H5N1-Vogelgrippevirus auf eine Katze in Deutschland planen Bund und Länder zusätzliche Schutzmaßnahmen. Danach müssen bundesweit in den bereits bestehenden Sperrzonen (drei Kilometer um den Fundort eines infizierten Vogels) Hunde an der Leine geführt und Katzen im Haus gehalten werden.
Das Bundesverbraucherschutzministerium teilte nach einer Telefonschaltkonferenz des Nationalen Krisenstabs für Tierseuchenbekämpfung mit, dass die geplante Eilverordnung in den Ländern, die bereits H5N1-Funde bei Wildvögeln haben, sofort in Kraft trete. Bayern und Baden-Württemberg hatten solche Regelungen bereits am Dienstag angekündigt.
"Bund und Länder waren sich über die Risikolage einig und haben sich heute über zusätzliche Maßnahmen zum Schutz vor der Geflügelpest verständigt", betonte Gert Lindemann, Staatssekretär im Bundesverbraucherschutzministerium. Die Länder hätten sich unter anderem darauf geeinigt, in Sperrzonen aufgefundene tote oder auffällige Säugetiere ebenfalls zu untersuchen. Eine vorsorgliche Impfung von Hauskatzen soll es dagegen wegen des Fehlens eines geeigneten Tierimpfstoffs vorerst nicht geben.
Weitere Expertenberatungen
Bundesminister Horst Seehofer (CSU) werde zudem am Donnerstag eine umfassende Bewertung und weitere Maßnahmen im Anschluss an weitere Expertenberatungen bekannt geben, hieß es weiter.
Am Dienstag hatte das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit bei einem am Wochenende auf Rügen verendeten Kater das Virus festgestellt. Es ist das erste Mal, dass der Erreger in Deutschland auf ein Säugetier übergesprungen ist. Ob es sich dabei um die aggressive Variante handelt, durch die in Asien und der Türkei auch Menschen starben, steht noch nicht fest. Die Testergebnisse wurden für den Abend erwartet.
Der Besitzer des Tieres hat sich nach gegenwärtigem Kenntnisstand offenbar nicht angesteckt. Der Mann sei untersucht worden, für Mittwoch sei ein vorsorgliches Beratungsgespräch mit einem Arzt vorgesehen gewesen, sagte eine Sprecherin des interministeriellen Führungsstabs in Schwerin.
Backhaus: Keine gezielte Jagd auf Katzen
Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) versicherte inzwischen, dass es "keine gezielte Jagd auf Katzen" in seinem Bundesland geben werde. Allerdings seien "herrenlose Tiere" entweder "einzufangen" oder mit anderen "Maßnahmen zu versehen". Zuvor hatte Backhaus betont, dass herumstreunende Katzen und Hunde erschossen werden könnten.
Ex-Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) forderte derweil eine Forschungseinrichtung auf europäischer Ebene. Diese solle sich speziell mit der Virusforschung beschäftigen, sagte Schily. Zugleich warnte er davor, Ängste in der Bevölkerung zu schüren: "Dass das Thema überall Topnachricht ist, sorgt für einen Gemütszustand, der unangemessen ist."
Nach einer Umfrage des Magazins "Stern" befürchtet ein Drittel der Bundesbürger (33 Prozent), dass sich hierzulande auch Menschen mit dem Vogelgrippe-Virus anstecken werden. Zwei Drittel (65 Prozent) dagegen haben keine Angst, dass das Virus in Deutschland auf den Menschen überspringen wird.
Der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas Mettenleiter, betonte, dass die Infektion der Katze "keine neue Dimension" bei der Ausbreitung der Tierseuche in Deutschland bedeute.
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