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Flut und Dürre plagen Brasilien: Klimachaos am Amazonas

zuletzt aktualisiert: 25.05.2009 - 18:47

Sao Paulo (RPO). Quer durch das Amazonasbecken stocken die Flußanrainer ihre auf Stelzen stehenden Häuser auf, um sich buchstäblich über Wasser zu halten. 44 Menschen sind in den Fluten umgekommen, 376.000 sind obdachlos.

Überschwemmungen sind hier keine Seltenheit. Doch dieses Jahr stiegen die Wassermassen so hoch und halten sich so lange, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wo jetzt die Obstbäume komplett überflutet sind, herrschte erst vor vier Jahren eine solche Dürre, dass die Fische haufenweise auf dem Trockenen verendeten.

Experten vermuten die globale Erwärmung als Grund dafür, dass das Klima im Amazonasgebiet immer öfter verrückt spielt. Das sei "die Eine-Million-Dollar-Frage", meint Carlos Nobre, Klimaexperte am brasilianischen Institut für Weltraumforschung. Eindeutig ist sie wohl erst nach jahrelanger Forschung zu beantworten, doch ist nach Ansicht der Fachleute in den kommenden Jahren mit weiteren Wetterextremen zu rechnen.

Weitere Extreme in naher Zukunft

Die Ereignisse am Amazonas können die Niederschläge anderswo beeinflussen, so wie steigende Meerestemperaturen und die Zerstörung des Regenwalds weltweite Klimaveränderungen nach sich ziehen. "Es ist wichtig festzuhalten, dass derartige klimatische Rekordereignisse wahrscheinlich in naher Zukunft immer häufiger werden", betont Nobre. "Also müssen wir alle uns auf weitere Klimaextreme in naher Zukunft gefasst machen: Das betrifft nicht erst die nächste Generation."

Unmittelbare Ursache der ungewöhnlich starken Regengüsse im Norden Brasiliens ist ein Wettersystem über dem Atlantik, das gewöhnlich im März weiter zieht, sich dieses Jahr aber bis Mai gehalten hat. Fast gleichzeitig leiden Bundesländer weit weg vom Amazonas im Süden unter anhaltender Dürre: Schuld daran ist La Nina (spanisch: das Mädchen), ein Klimaphänomen kühlerer Wassertemperaturen im Pazifik. La Nina wechselt sich ab mit El Nino (der Junge/das Kind), einer Erwärmung pazifischer Strömungen, die für die verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet in den letzten Jahren verantwortlich gemacht wird.

Ernte verfault oder vertrocknet

"Etwas sagt uns, dass wir achtsamer mit dem Planeten umgehen sollen. Überall auf der Welt geschehen Veränderungen, und wir erleben sie auch in Brasilien", sagte Präsident Luiz Inacio Lula da Silva kürzlich im Rundfunk. Die Regierung hat umgerechnet rund 315 Millionen Euro Nothilfe nach den Überschwemmungen im Norden und der Dürre im Süden beschlossen. Die Trockenheit treibt die Weltmarktpreise für Soja nach oben, dass als Viehfutter und in der Lebensmittelproduktion verwendet wird. Wegen des Hochwassers musste der weltgrößte Eisenerzproduzent den Bahntransport für den Export eine Woche stilllegen.

"Ich glaube, wir müssen uns darauf einstellen, dass das öfter vorkommt. Und man muss sehen, wie es künftig im Amazonasgebiet aussehen wird", sagt der Ökologe Daniel Nepstadt. Für die Ärmsten dort, die "ribeirinhos", ist es schon jetzt hart. Die "Uferbewohner" sind das Steigen und Fallen des Wassers gewöhnt und richten es so ein, nach Ende der Regenzeit zu ernten. Doch dieses Jahr hörte der Regen im April einfach nicht auf wie sonst. Jetzt sind Bananen und Bohnen, Mais und Maniok und Melonen abgesoffen und verdorben.

Im Bundesland Rio Grande do Sul im Süden dagegen ist vielen Bauern in der größten Trockenheit seit 80 Jahren die Ernte verdorrt, das Winterfutter für das Vieh konnte nicht angebaut werden, und die Milchproduktion hat gelitten. "In manchen Dörfern hatten die Leute nicht einmal genug Wasser zum Trinken", berichtet der Abgeordnete Darcisio Perondo. Ob aber die Klimaerwärmung an dem Elend schuld ist, da ist er sich nicht sicher: "Dass Dürre und Flut immer wiederkehren, weiß jeder, der die Bibel liest."

Quelle: AP

 
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