Streit um Stromfresser: Klimaforscher gegen Glühbirnenverbot
zuletzt aktualisiert: 23.02.2007 - 10:34Berlin (RPO). Ist die Glühbirne bald Geschichte? Nein, sagen Klimaforscher und Bundesministerium. Die Abschaffung des leuchtenden Stromfressers sei aktionistischer Unsinn und soll laut EU-Recht auch nicht möglich sein.
Der Potsdamer Klimaforscher Ottmar Edenhofer hat sich gegen ein Verbot von Glühbirnen ausgesprochen. "Glühbirnen zu verbieten ist völliger Unfug", sagte Edenhofer der Tageszeitung "Die Welt". Edenhofer ist Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, zugleich Autor des Klimaberichts des Weltklimarats IPCC, der Anfang des Monats einen Temperaturanstieg von bis zu 6,4 Grad bis zum Jahrhundertende vorausgesagt hatte.
Edenhofer forderte, dass die Politik nicht in Aktionismus verfalle. Stattdessen müsse in "die effizientesten Klimaschutzoptionen" investiert werden. Ob für ein Umsteuern in der Klimapolitik 15 oder 20 Jahre blieben, sei nicht die entscheidende Frage: "Entscheidend ist die zeitliche Größenordnung einer aktiven globalen Klimapolitik." In Schwellenländern wie etwa Indien würden mit dem Bau neuer Kraftwerke die Weichen für künftige Emissionsvolumen gestellt: "Daher muss heute klar definiert werden, wie die Emissionen von Treibhausgasen in Zukunft begrenzt werden", sagte der Klimaforscher.
Edenhofer wies darauf hin, dass sich der weltweite Energieverbrauch in Zukunft vervierfachen oder sogar verfünffachen werde. "Eine Klima- und Energiepolitik, die dieser Entwicklung nicht Rechnung trägt, ist zum Scheitern verurteil", sagte er. Ziel müsse es sein, die Treibhausgas-Emissionen vom Wirtschaftswachstum zu entkoppeln.
Ein Glühbirnenverbot zugunsten von Energiesparlampen nur für Deutschland ist nach Medieninformationen EU-rechtlich nicht möglich. "Ein nationaler Alleingang ist rechtlich nicht machbar", sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums der "Frankfurter Rundschau". Für ein einzelstaatliches Verbot des Glühbirnenlichts bräuchte Deutschland grünes Licht der Europäischen Union. Und das werde es nicht geben, da Brüssel andere, in der Zielsetzung ähnliche, aber umfassendere Pläne habe.
Gleichzeitig wurde auch bekannt, dass sich der Klimawandel nach Ansicht von Experten stärker auf das Reiseverhalten auswirken, als den meisten Deutschen bislang bewusst ist. Die Urlaubsländer in Südeuropa dürften bei weltweit steigenden Temperaturen in den kommenden Jahrzehnten an Attraktivität verlieren. Kältere Regionen wie Skandinavien werden dagegen vermutlich mehr Touristen anziehen. Die Deutschen könnten zudem dazu übergehen, ihre Haupturlaubsreisen nicht mehr im Sommer anzutreten, sagten Fachleute beim Symposium "TUI Campus" in Berlin.
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