Forscher über Roland Emmerichs Film "The Day after Tomorrow": Klimakatastrophe aus Hollywood 'völlig daneben'
zuletzt aktualisiert: 18.05.2004 - 08:13Frankfurt/Main (rpo). New York versinkt in den Fluten, um dann in Schnee und Eis zu erstarren. Tokio wird von Hagelstürmen vernichtet, Los Angeles von Tornados zerfetzt. Der Golfstrom reißt ab, woraufhin sich gewaltige Stürme auf ganze Kontinente ausdehnen und arktische Kälte in Richung Äquator treiben. Was sagen Experten zu Roland Emmerichs neuem Blockbuster "The Day after Tomorrow" und der darin erzählten Klimakatastrophe?
Hans von Storch etwa, Direktor des Instituts für Küstenforschung in Geesthacht, bewertete die Visionen als nicht realistisch: "So ablaufen kann ein Klimawandel auf keinen Fall". In der Wirklichkeit könne sich zwar einiges ähnlich abspielen, "aber in der Summe gilt: völlig daneben", urteilte der Direktor des Instituts für Küstenforschung in Geesthacht, berichtete das von der Bundesregierung geschaffene Deutsche Klimaforschungsprogramm (DEKLIM).
Klimaforscher von Storch kritisiert, dass im Zentrum der Leinwandstürme die Temperatur binnen Minuten auf eisige Werte fällt. "Das funktioniert schon aus Gründen der Wetterdynamik auf keinen Fall." Zudem seien Stürme von solcher Ausdehnung unrealistisch.
Änderungen beim Golfstrom möglich
Im Prinzip sei eine Änderung des Strömungsmusters des Golfstroms infolge der globalen Erwärmung durchaus möglich, erklärte der Geschäftsführende Direktor Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg laut DEKLIM. Genaues könne niemand vorhersagen. "Es ist im schlimmsten Fall vorstellbar, dass wir innerhalb der nächsten zehn bis 20 Jahre im Nordatlantik eine Abkühlung um drei bis fünf Grad Celsius erleben." Die Folgen wären auf jeden Fall gravierend.
Der Golfstrom, eine Meeresströmung im nördlichen Atlantik, beschert West- und Nordeuropäern ein zuträgliches Klima. Entscheidend ist die Thermohaline Zirkulation (THC), ein Zusammenspiel zwischen warmer Oberflächen- und kalter Tiefenströmung. Teile des Golfstroms dringen weit nach Norden vor, geben dort ihre Wärme an die Luft ab, kühlen aus und sinken in große Tiefen. Um die THC genauer zu erforschen, ist ein Messsystem am Ost- und Westrand des Atlantiks installiert worden.
Auch abrupte Klimaveränderungen sind derzeit unter Wissenschaftlern ein heißes Thema. Man dürfe darüber aber nicht vergessen, dass das Klima ohnehin einem ständigen Wandel unterworfen sei, der sich aber eher langsam vollziehe, erklärte von Storch. Die historische Klimaforschung (Paläoklimatologie) habe Hinweise dafür geliefert, dass in der Erdgeschichte abrupte Klimaänderungen abliefen, doch seien diese nur in Kaltzeiten aufgetreten, nicht in einer Warmzeit wie der gegenwärtigen.
Nach Ansicht von Storchs darf man auch die Wetterextreme der letzten Jahre wie Hochwasser, Dürren und Stürme nicht als Beweis dafür nehmen, dass die Naturkatastrophen bereits zugenommen hätten. Gehäufte Wetterextreme seien nichts Neues. Die Forschung zeige, dass Extremereignisse - wie etwa Überschwemmungen an der Elbe - in Gruppen ("Clustern") aufträten.
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