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Körber-Preis für Jiri Friml: Kluge Hormon-Rikschas gegen den Hunger

VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 07.09.2010 - 18:46

Hamburg (RPO). Der renommierte Körber-Preis geht in diesem Jahr an den tschechischen Molekularbiologen Jiri Friml. Dem 37-Jährigen gelang es, eine grundlegende Frage zu beantworten: Wie bestimmen Pflanzen wo, wann und wie sie wachsen müssen? Seine Entdeckung könnte zu einer wichtigen Waffe im Kampf gegen den weltweiten Hunger werden. Statt genmutierte Superpflanzen zu züchten, will Friml kluge Hormon-Rikschas auf die Reise schicken.

Jiri Frimls wissenschaftliche Karriere begann in Köln.  Foto: Körber-Stiftung
Jiri Frimls wissenschaftliche Karriere begann in Köln. Foto: Körber-Stiftung

Große wissenschaftliche Leistungen beginnen oft mit einfachen Feststellungen. Jiri Friml erklärt seinen Ansatz anschaulich: Wenn Menschen oder Tiere ein Problem mit ihrer Umwelt haben, beispielsweise Wassermangel, können sie weiterziehen, sich eine neue Heimat suchen. Pflanzen haben da nur eine Möglichkeit: Anpassung. Adaption nennen dies Biologen.

Bietet ein sandiger Boden zuwenig Halt und Wasser, passt sich die Pflanze an. Die Wurzeln wachsen verstärkt, ragen tiefer ins Erdreich. Wenn der Pflanze das Sonnenlicht fehlt, beschleunigt die Pflanze das Wachstum des Stängels. Die Pflanze streckt sich der Sonne entgegen. Anpassung durch Wachstum. 

Info

Karriere in Deutschland

Jiri Frimls Karriere begann 1997 am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln. Im Jahr 2000 promovierte er an der Kölner Hochschule im Fach Biologie und wechselte dann an die Tübinger Universität ins Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen.

Für das Wachstum der Pflanzen ist das Hormon Auxin verantwortlich. Auxin sichert das Überleben der Pflanze. Die Existenz von Auxin ist schon seit Jahren nachgewiesen. Ungeklärt war jedoch die Frage, wie Pflanzen das Hormon gezielt einsetzen können. Wie gelangt das Hormon an den Ort, wo es gebraucht wird? Und wie weiß die Pflanze, wo oben und unten ist?

Friml gelang es nun, Proteine zu identifizieren, die das Wachstumshormon an die richtigen Stellen bringen. Wie eine Rikscha ihre Fahrgäste ans Ziel bringt, transportieren Proteine Auxin an ihren Einsatzort. Je nachdem, an welche Herausforderungen der Umwelt sich die Pflanze aktuell anpassen muss. Diese Rikschas könnten Forscher künftig gezielt auf die Reise schicken.

Durch den Klimawandel werden die Böden in vielen Regionen der Welt trockener und sandiger.  Foto: Körber-Stiftung
Durch den Klimawandel werden die Böden in vielen Regionen der Welt trockener und sandiger. Foto: Körber-Stiftung

Nutzen für Landwirtschaft

Besonders für die Landwirtschaft wäre dies von erheblichem Nutzen. Bedingt durch den Klimawandel werden Ackerböden weltweit trockener und sandiger. Forscher können künftig durch den gezielten Einsatz von Auxin Nutzpflanzen mit längeren Wurzeln ausstatten. Die Pflanze hat besseren Halt im Boden, kommt an mehr Grundwasser und liefert reichere Erträge. Eine neue Waffe im Kampf gegen weltweiten Hunger.

Auch Bauern in Deutschland können profitieren. Landwirte kämpfen seit jeher mit dem Problem, dass in der Mitte eines Ackerfeldes die Erträge geringer ausfallen als an den Rändern. Der Grund: In der Mitte konkurrieren Pflanzen verstärkt um die Sonne. Sie investieren einen großen Teil ihrer Energie, um in die Höhe zu wachsen. Dies geht zu Lasten der Frucht. Durch den klugen Einsatz von Auxin könnten die Pflanzen künftig gleichmäßig wachsen. Die Erträge steigen und werden planbarer.

Friml legt Wert auf die Feststellung, dass mit seiner Arbeit keine genmanipulierten Superpflanzen erschaffen werden. Denn mit Genetik im eigentlichen Sinne habe seine Arbeit nichts zu tun. Er aktiviere lediglich vorhandene Potentiale der Pflanze und helfe ihrer Anpassungsfähigkeit auf die Sprünge.

Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft zeichnet einmal im Jahr einen Forscher mit 750.000 Euro für wegweisende Forschung aus. Die Stiftung wurde nach dem Unternehmer Kurt A. Körber benannt.


 
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