Hälfte der weltweiten Population ist betroffen: Kongo: Berggorillas droht das Aussterben
zuletzt aktualisiert: 03.08.2004 - 08:49Kinshasa (rpo). Sie leiden unter den Kriegen oder der Besiedlung immer neuer Waldgebiete: Die letzten Berggorillas im Kongo drohen in absehbarer Zeit ganz zu verschwinden. Besonders der Raub des Lebensraumes durch die Menschen wird dabei für die Tiere ein immer größeres Problem.
Bauern haben große Waldgebiete im ältesten Nationalpark des Landes besiedelt, in dem mehr als die Hälfte der weltweit 700 Berggorillas lebt. In einem verzweifelten Versuch, die weitere Besiedlung des Urwalds zu stoppen, schichten 200 Arbeiter an der Grenze des Virunga-Nationalparks zu Ruanda nun eine Mauer aus Lavagestein auf.
Nach mehr als einem Jahrzehnt von Bürgerkrieg und Konflikten im Herzen Afrikas streifen noch immer bewaffnete Milizionäre durch die Wälder des Parks, wie Eugene Rutagarama, der Leiter des Internationalen Gorilla-Schutzprogramms, sagt. Die Behörden vermuten, dass die Kämpfer auch für die Tötung von drei Parkangestellten binnen vier Wochen verantwortlich sind. "Wir wollen, dass diese Mauer so schnell wie möglich fertig wird", sagt Rutagarama. Mit einer Höhe von einem Meter dürfte sie allerdings kaum mehr als eine symbolische Bedeutung haben. Sie zeige lediglich die Waldgrenze an, räumt auch der Tierschützer ein. "Sie kann die Menschen nicht wirklich aufhalten."
In Virunga leben 380 der vom Aussterben bedrohten Tiere
Die Gorillas leben auf den nebelverhangenen, grünen Gipfeln der Vulkane entlang der Grenze des Kongos zu Ruanda. Sie bauen ihre Schlafnester in den verbliebenen Wäldern, während die Bauern ihre terrassenartig angelegten Felder an den talwärts gelegenen Vulkanhängen bearbeiten. Die Gorillas suchen in Bambuswäldern nach Nahrung, den Nachwuchs immer dabei. Hin und wieder wagen sie sich auch auf die Felder vor. In Virunga leben 380 der vom Aussterben bedrohten Tiere. Ihr einziger anderer bekannter Lebensraum ist der Nationalpark Bwindi im benachbarten Uganda.
Im Mai und Juni überrannten 5.000 bis 6.000 ruandische und kongolesische Bauern die unbewaffneten Parkwächter in Virunga und ebneten 15 der 425 Quadratkilometer des Parks für die Viehzucht ein. Sie fällten Bäume, um Weiden zu schaffen, und ließen tausende Rinder auf dem Gelände frei. Anzeichen, dass die Eindringlinge Jagd auf die Gorillas machten, gab es nicht. Bei früheren derartigen Vorfällen hatten Wilderer Gorillas getötet, um deren Körper zu Kultzwecken zu verwenden oder um die Jungen zu verkaufen. Verarmte Kongolesen essen auch das Fleisch der Tiere.
"Elfenbein, Buschfleisch, Fisch und Land" seien begehrt in Virunga, sagt Terese Hart von der Gesellschaft für Wildtierschutz in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa. "Die Landsuche ist davon am bedrohlichsten, denn sobald die Menschen das Land erst einmal bewohnen, ist es sehr schwierig, sie wieder von dort wegzubekommen." Die Gesellschaft und andere Naturschutzorganisationen sind der Ansicht, dass "reiche Individuen in Ruanda" die Viehzüchter, die in die Region Mikeno des Parks kamen, möglicherweise finanziert haben. Die Bauern seien erst nach starkem Druck von Vereinten Nationen, EU und USA auf Ruanda wieder abgezogen, sagt Hart.
Gorillas leiden auch unter Krieg und Konflikten
Ruanda hat den Vorwurf zurückgewiesen. "Wir verurteilen diese illegale Aktivitäten, und wir haben alles uns Mögliche getan, sie zu beenden", sagt Rosette Rugenba, Direktorin des ruandischen Tourismus- und Nationalparkbüros. Laut Gorillaschützer Rutagarama beendeten die kongolesischen und ruandischen Behörden den Waldeinschlag bis zum Juli, und die landwirtschaftlichen Aktivitäten in dem Gebiet wurden gestoppt. Vertreter beider Staaten führen nun monatlich Kontrollfahrten in Virunga durch.
Bedroht sind die Gorillas in dem Park schon seit Jahren. Die Region Mikeno hat sich noch immer nicht erholt vom Zustrom der Hutu-Flüchtlinge, die nach dem Völkermord an Tutsi und politisch moderaten Hutu 1994 und 1995 aus Ruanda geflohen waren. Ein weiterer Teil des Parks wurde im Krieg von 1998 bis 2002 verwüstet, daran beteiligt waren Truppen aus mindestens fünf weiteren afrikanischen Staaten.
Menschliche Siedlungen bedrohen die Gegend weiterhin. Das einst dichte Waldgebiet von Kilorwe ist großen Weiden und Villen gewichen, und Bäume werden zur Nutzung als Brennholz gefällt, wie Eulalie Bashige erklärt, die Leiterin des kongolesischen Instituts für Naturschutz, dem auch die Nationalparks des Landes unterstehen.
Auch Ruanda bemüht sich darum, der Zerstörung des Lebensraums der Gorillas auf seiner Seite der Grenze Einhalt zu gebieten. Anfang Juli wurden nach Regierungsangaben mehrere Bauern aus dem Volcanoes-Nationalpark ausgewiesen, eine der wichtigsten Touristenattraktionen des Landes.
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