Wilde Nandus bevölkern Mecklenburg: Laufvögel finden Lebensbedingungen wie in der Steppe
zuletzt aktualisiert: 03.04.2003 - 12:17Hamburg (rpo). Wilde Nandus bevölkern das Naturschutzgebiet Wakenitzniederung in Mecklenburg. Da stellt sich die Frage, wer oder was sind Nandus und was machen die in Mecklenburg?
Wer bei einem Spaziergang in dem Naturschutzgebiet südlich von Lübeck die Augen aufhält, kann dort eine besondere Überraschung erleben: Dort können südamerikanische Pampasstrauße, Nandus genannt, von Zeit zu Zeit die Wege kreuzen. "Vor drei Jahren sind mehrere Nandus aus einem privaten Tiergehege entwichen", erläutert Martin Bauer vom Naturschutzbund NABU in Nordwestmecklenburg die Herkunft der frei lebenden Tiere. Seitdem sei der Bestand auf zehn bis 15 Tiere angewachsen.
Normalerweise bevorzuge der Pampasstrauß die Steppen und Savannen Südamerikas, berichtet der Naturschützer. Die Lebensraumstrukturen des Naturschutzgebiets in Mecklenburg-Vorpommern entsprächen aber offenbar denen einer südamerikanischen Savanne. Die bis zu 1,40 Meter großen flugunfähigen Vögel, die sich von Pflanzen und Insekten ernähren, zeigen Menschen gegenüber keine Scheu. Bis auf vier bis fünf Meter kann man sich ihnen nähern. Angst müssen Spaziergänger vor den Tieren nicht haben.
In Sachen Emanzipation und Arbeitsteilung haben Nandus der Menschenwelt anscheinend einiges voraus: Das Ausbrüten der Eier und die Aufzucht der Jungtiere übernimmt der männliche Strauß. "Die Weibchen legen offenbar ihre Eier alle zusammen in das Nest des Männchens", sagt Bauer. "In einer Brutstätte haben wir bis zu 14 Eier gefunden."
Eine Gefahr für die heimische Natur stellen die südamerikanischen Einwanderer nach Meinung der Naturschützer nicht dar - im Gegenteil. Nach den Worten Bauers ersetzen die Pflanzen- und Kräuterfresser zumindest ansatzweise das in dem Gebiet nicht vorhandene Weidevieh, das für die Erhaltung der so genannten Offenlandschaft dringend gebraucht werde. Außerdem stellten die Nandus "eine Bereicherung des Erlebniswertes des Naturschutzgebietes vor den Toren Lübecks dar", sagt Bauer.
Seit einigen Jahren werden die Vögel in Deutschland, meist von Nandu-Liebhabern, in privaten Tiergehegen gehalten. "Die Nutzung des Fleisches spielt keine Rolle", betont NABU-Sprecher Bauer. "Die erste Freilandbrut in Deutschland ist ein Beweis für die optimalen Lebensbedingungen, die die Art bei uns vorfindet."
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