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Umweltbundesamt: Bilanz für 2009: Mehr Feinstaub und zuviel Stickstoffdioxid

zuletzt aktualisiert: 20.01.2010 - 18:33

Berlin (RPO). Die Luft in den deutschen Großstädten lässt nach wie vor zu wünschen übrig. Die Stickstoffdioxidbelastung lag im vergangenen Jahr über dem ab 2010 geltenden Grenzwert, und die Feinstaubwerte stiegen weiter an, wie das Umweltbundesamt (UBA) am Mittwoch in Berlin mitteilte.

Auch nach der Einrichtung von Umweltzonen ist die Belastung mit Feinstaub und anderen Schadstoffen in vielen deutschen Großstädten noch zu hoch. Das teilte das Umweltbundesamt (UBA) am Mittwoch in Dessau nach Auswertung vorläufiger Feinstaub- und Stickstoffdioxiddaten mit. Die zulässigen Grenzwerte würden vielerorts weiter überschritten, erklärte Behördenpräsident Jochen Flasbarth. Umweltverbände forderten Konsequenzen wie eine Nachrüstung der Fahrzeuge und die Ausweisung weiterer Umweltzonen.

"Grenzwert-Überschreitungen treten vor allem in Städten und Ballungsräumen auf, also dort, wo auch ein Großteil der Bevölkerung lebt", erklärte die Behörde. Danach überschritten die Feinstaub-Konzentrationen erneut die bereits seit 2005 geltenden Grenzwerte - trotz der Maßnahmen von Bund, Ländern und Kommunen. An 23 der insgesamt 408 Messstationen traten den Angaben zufolge an mehr als 35 Tagen Konzentrationen über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft auf.

An der Messstation Stuttgart Neckartor wurde laut Umweltbundesamt zudem der aufs Jahresmittel bezogene Grenzwert von 40 Mikrogramm nicht eingehalten. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt gibt es seit März 2008 eine Umweltzone.

Insgesamt sei die Feinstaubbelastung im Jahr 2009 etwas höher gewesen als 2008, dem Jahr mit der seit 2000 geringsten Luftbelastung durch Feinstaub. "Die ergriffenen Maßnahmen zur innerstädtischen Luftreinhaltung, wie die Einrichtung von Umweltzonen sowie die Verschärfung der Anforderungen an Kaminöfen und andere Kleinfeuerungsanlagen, waren richtig und hoch an der Zeit", erklärte Flasbarth.

Belastung mit Stickoxiden weiter zu hoch

Ein erhebliches Problem stellen aber auch Stickstoffoxide dar, die laut Umweltbundesamt vornehmlich dem Straßenverkehr sowie Industrie und Haushalten zuzurechnen sind. "Die Stickstoffdioxidbelastung im Jahr 2009 war ähnlich hoch wie in den beiden vergangenen Jahren. Es ist daher zu befürchten, dass der neue Grenzwert auch im Jahr 2010 an vielen Orten nicht eingehalten werden wird", erklärte Flasbarth.

Die Jahresmittelwerte von Stickstoffdioxid (NO2) überschritten bei 55 Prozent der verkehrsnahen Luftmessstationen in Städten den Grenzwert, der seit Januar eingehalten werden muss. Dieser Wert liegt bei 40 Mikrogramm.

Der Verkehrsclub Deutschland wies darauf hin, dass Rußpartikel als gefährlichster Bestandteil von Feinstaub als krebserregend gälten. Stickstoffdioxid könne Kopfschmerzen, Schwindel und Atemnot auslösen und sei an der Entstehung von Smog beteiligt. Da der Straßenverkehr in den meisten Fällen Hauptverursacher sei, müssten Umweltzonen ausgeweitet und verschärft werden. Zudem sei die Umrüstung älterer Dieselfahrzeuge voranzutreiben

Hannover gibt Zone für Autos mit gelber Plakette frei

Unterdessen beschloss die Stadt Hannover auf Druck des niedersächsischen Umweltministers Hans-Heinrich Sander (FDP) eine vorübergehende Entschärfung ihrer Umweltzone. Ab dem 25. Januar werde man wieder Kraftfahrzeuge mit gelber Plakette in der Umweltzone zulassen, teilte die Stadt mit. Nach rechtlicher Prüfung akzeptiere man das Weisungsrecht des Landes in diesem Punkt. Sander hatte die Stadt angewiesen, die Umweltzone für Fahrzeuge mit gelber Plakette befristet bis Ende 2011 wieder zu öffnen. Seit Jahresanfang durften nur Fahrzeuge mit einer grünen Plakette in der hannoverschen Umweltzone fahren.

Die Stadt bezeichnete den Erlass des Landesumweltministers als rechtlich fragwürdig und inhaltlich nicht nachvollziehbar. Die Deutsche Umwelthilfe stellte beim Verwaltungsgericht in Hannover einen Eilantrag gegen den Erlass des Ministers. Sie unterstützt damit zwei Bewohner in der Umweltzone, die erreichen wollen, dass weiterhin nur schadstoffarme Autos mit grüner Plakette in die Zone einfahren dürfen.

Quelle: AFP/felt

 
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