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Kampf gegen das Artensterben: Mensch ist die größte Gefahr für die biologische Vielfalt

VON KLAUS PETER KÜHN - zuletzt aktualisiert: 19.05.2008 - 21:47

Bonn (RP). Der Mensch ist nach wie vor die größte Gefahr für die biologische Vielfalt auf der Erde. Wie sich diese Vielfalt bewahren und zugleich nutzen lässt, darüber beraten 191 Staaten auf der bis Ende Mai in Bonn tagenden UN-Konferenz.

Der oberste Artenschützer der Vereinten Nationen zitierte gestern in Bonn Albert Einstein. „Wenn die Bienen von der Erde verschwinden, verschwindet die Menschheit vier Jahre später.” Egal, ob das Jahrhundert-Genie diesen Satz wörtlich so gesagt hat oder nicht ­ er und Ahmed Djoghlaf haben in der Sache recht. Die Bienen sind ein besonders wichtiges Glied in der wunderbaren Kette der Natur, die zu zerreißen droht, wenn eines davon zerstört wird.

Ahmed Djoghlaf ist Exekutivsekretär der UN-Konvention über die Biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity CBD). So kompliziert wie sein Titel ist die Aufgabe der gestern gestarteten Konferenz. Zwei Wochen lang ringen 7000 Teilnehmer aus über 190 Staaten darum, das Artensterben deutlich abzubremsen und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt zu sichern ­ also ohne sie zu zerstören.

Der Konferenzpräsident, Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), hieß das Sultanat Brunei als 191. Staat in der „CBD-Familie” willkommen. Die USA gehören zu den vier Staaten, die sich bislang nicht der Familie anschließen wollen. Djoghlaf appellierte an Washington zu erkennen, dass „der Welt verloren geht, was in einem Land verloren geht”.

Hat sich das Artensterben in den letzten Jahrzehnten beschleunigt? Eindeutig ja. Dass Tier- und Pflanzenarten verschwinden, ist an sich nichts Unnatürliches, unnatürlich ist allerdings das Tempo, in dem dies geschieht.

Djoghlaf zitiert den „Living Planet Index” des WWF. Er zeichnet die Entwicklung von 4000 ausgewählten Arten auf und stellt im Zeitraum von 1970 bis 2005 einen Rückgang um 27 Prozent fest. Gleich zwei Säugetier-Arten sind vor kurzem in China mit allergrößter Wahrscheinlichkeit ausgestorben: der Jangtse-Flussdelfin und der Yunnan-Weißhandgibbon. Gibt es auch Arten, bei denen sich die Lage entspannt? Ja, beim Atlantischen Lachs oder der Grünen Meeresschildkröte zum Beispiel.

Wieso ist die Vielfalt der Arten so wichtig? Abgesehen von ethischen Bedenken, derart massiv in die Schöpfung einzugreifen, gibt es handfeste materielle Gründe. Gabriel verwies auf die große Reis-Krise in den 70er Jahren, als ein aggressives Virus die Ernten von Indien bis Indonesien vernichtete. 6273 Reissorten wurden getestet ­ nur eine widerstand dem Virus. Sehr leicht hätte sie zu den bereits untergegangenen Arten gehören können. Denn gerade beim Anbau der wichtigsten Nahrungsmittelpflanzen ­ Weizen, Reis und Mais ­ setzt die Landwirtschaft auf sehr wenige, besonders ertragreiche Sorten und vernachlässigt die anderen. Auch bei der Anpassung an den Klimawandel ist eine möglichst große Vielfalt der Arten notwendig.

Spielt Geld auf der Konferenz eine Rolle? Zunehmend ja. Weil fast alle wichtigen Nutzpflanzen ihren Ursprung in der Dritten Welt haben, müssen die „Verwandten” unserer Getreidesorten dort gehegt werden. Ohne Ausgleichszahlung an die Bauern wird dies kaum gehen.

Was ist Biopiraterie? Gerade in den ärmsten Ländern ist die biologische Vielfalt am größten. die Staaten befürchten deshalb, dass die genetischen Möglichkeiten ihrer Flora und Fauna ausschließlich von den entwickelten Ländern kommerziell genutzt werden ­ etwa um aus aus dem Madagaskar-Immergrün ein Leukämie-Mittel zu entwickeln. Ein Hauptziel der Konferenz ist es deshalb, einen Mechanismus zu finden, bei dem die Erträge aus der Nutzung der biologischen Ressourcen gerecht verteilt werden.


 
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