Wegeg schlechter Wasserwirtschaft: Mexikos größter See trocknet aus
zuletzt aktualisiert: 11.09.2003 - 13:33Norwich (rpo). Der Chapala-See in Mexiko - der größte des Landes und zugleich eines der bedeutendsten Frischwasser-Reservoire - hat in den letzten Jahren bereits 25 Prozent seiner Größe eingebüßt. Jetzt droht der See auf Grund übermäßiger und unkontrollierter Wasserentnahme völlig auszutrocknen.
Das sagte Salvador Peniche von der Universität Guadalajara (Mexiko) am Mittwochabend auf der 8. "Living Lakes"-Konferenz in Norwich (Grossbritannien).
Wegen der rücksichtslosen Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen sei ein einzigartiges Ökosystem mit zahlreichen Tier- und Pflanzenarten extrem bedroht. Aus dem Chapala-See werden rund zehn Millionen Menschen in Mexiko mit Wasser versorgt, insbesondere in den Großstädten Guadalajara und Mexiko-City. Mittlerweile halten laut Peniche mehr als 200 Dämme oberhalb des Sees das Wasser zurück.
Industrie und Landwirtschaft verbrauchten zunehmend mehr Wasser, so dass der ursprünglich über 1000 Quadratkilometer große See rapide schrumpfe. Da der See eine natürliche Grenze zwischen den trockenen Wüstengebieten im Norden des Landes und den tropischen Regionen im Süden bilde, werde somit auch die Wüstenbildung vorangetrieben. "Was wir hier haben ist kein Wasserproblem, sondern ein Wassermanagement- Problem."
Der sorglose Umgang mit dem Wasser werde etwa dadurch verschärft, dass Landwirte Wasser kostenlos entnehmen dürften. Abwässer aus der Industrie und Landwirtschaft würden dann häufig verunreinigt zurückgeleitet und verschmutzten den See. Die Einleitung von giftigen Abwässern sei zwar verboten, werde aber von den Behörden nicht verfolgt, sagte Peniche.
Interessenvertreter des Chapala-Sees bewerben sich derzeit um die Aufnahme in das "Living Lakes"-Netzwerks. Die vom Global Nature Fund (Radolfzell/Deutschland) ins Leben gerufene, internationale Organisation widmet sich dem Schutz von Seen- und Flusslandschaften weltweit. Auf der noch bis Samstag andauernden Konferenz in Norwich befassen sich die Experten insbesondere mit dem Einfluss des Klimawandels auf die Seen.
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