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Chemie Nobelpreis: Palladium - der Zauberstab für Chemiker

VON RAINER KURLEMANN - zuletzt aktualisiert: 06.10.2010 - 18:23

Stockholm (RPO). Der diesjährige Chemie-Nobelpreis geht an den Amerikaner Richard Heck und die beiden Japaner Ei-ichi Negishi und Akira Suzuki. Dies teilte die Königlich-Schwedische Akademie am Mittwoch in Stockholm mit. Die drei Wissenschaftler erhielten die Auszeichnung für ihre Verdienste um die Palladium-Katalyse.

Die Nobelpreise sind mit jeweils zehn Millionen schwedischen Kronen (1,09 Millionen Euro) dotiert.  Foto: AFP, AFP
Die Nobelpreise sind mit jeweils zehn Millionen schwedischen Kronen (1,09 Millionen Euro) dotiert. Foto: AFP, AFP

Es gibt Methoden in der Wissenschaft, deren Einsatz ist so selbstverständlich, dass gern vergessen wird, dass auch diese erst einmal erfunden werden mussten. Die Forschungsarbeiten der drei Chemie-Nobelpreisträger gehören in diese Kategorie. Der US-Amerikaner Richard Heck entdeckte schon 1972, dass bestimmte chemische Reaktionen durch den Einsatz von Palladium nicht nur schneller ablaufen, sondern sich auch viel besser kontrollieren lassen. 30 Jahre später dokumentierte ein Fachbuch auf immerhin 377 Seiten, welche Anwendungen in Abwandlung der Heckschen Methode mittlerweile zum Standard zählen.

Der Japaner Akiru Suzuki machte seine Entdeckungen 1979, sein Landsmann Ei-ichi Negishi nur wenige Jahre früher, er lebte damals aber schon in den USA.

Alle drei Forscher arbeiten in einer der großen Disziplinen der klassischen Chemie – in der Naturstoffsynthese. Ihr Herzstück ist der Versuch des Menschen, Substanzen aus der Natur mit besonderen Eigenschaften nachzubauen. Wenn beispielsweise ein Bestandteil einer Koralle ein wichtiges Medikament liefert, dann werden nicht weltweit die Korallenriffs geplündert, sondern Chemiker beginnen mit dem Versuch, diese wertvolle Substanz im Labor zu produzieren.

Die Herausforderung liegt meistens im Aufbau einer sehr komplizierten Struktur, die zudem eine sehr hohe Reinheit besitzen muss, damit sie später in der Industrie oder Medizin verwendet werden kann.

Der Einsatz von Palladium eröffnete dabei der Chemie völlig neue Möglichkeiten. Vergleichbar mit einem Zauberstab fügt das Metall, dass nur in sehr geringen Mengen eingesetzt werden muss, zwei komplizierte Strukturen aneinander und ebnet den Weg zum gesuchten Wirkstoff. Palladium dient dabei als so genannter Katalysator, der eine chemische Reaktion bewirkt, die ohne ihn nicht ablaufen würde.

Beispiele dafür gibt es Hunderte, wenn nicht gar Hunderttausende. Claes Gustafson vom Nobel-Komittee sagte in seiner Laudatio in Stockholm, vermutlich verwende ein Viertel aller chemischen Reaktionen in der pharmazeutischen Industrie die Erkenntnisse der drei Forscher zur Palladium-Katalyse. Auch andere Edelmetalle werden mittlerweile in dieser Funktion eingesetzt.

Der US-Forscher Richard Heck gehörte zu den ersten Wissenschaftlern, die den Einsatz von Palladium zur Verbesserung der Reaktionsfähigkeit von Chemikalien beschrieben haben. Damit konnte er sehr umständliche chemische Produktionsweisen durch einen wesentlichen schnelleren Prozess ablösen. Richard Heck arbeitete an der Universität von Delaware, wo er 1989 emirtiert wurde.

Akiro Suzuki (80) wurde für eine chemische Synthese ausgezeichnet, die er 1979 entwickelt hat. Damals haben viele Forscher nach weiteren Anwendungen von Palladium in der Chemie gesucht. Suzuki entdeckte ein sehr kompliziertes Verfahren, das heute beispielsweise bei der Herstellung des Antibiotikums Vancomycin verwendet wird. Suzuki arbeitete bis 2002 an verschiedenen japanischen Universitäten. In den 60er Jahren besuchte er als Postdoc für zwei Jahre die Universität Purdue im US-Bundesstaat Indiana, wo der spätere Nobelpreisträger Herbert C. Brown sehr viele Chemiker in der Entwicklung neuer Syntheseverfahren ausbildete.

An dieser Chemie-Elite-Universität arbeitete auch der dritte Nobelpreisträger Ei-ichi Negishi. Der heute 75-Jährige wurde im japanisch besetzten China geboren, studierte in Tokio, ging aber schon als 25-Jähriger in die USA. Seit 1966 forschte er an der Purdue-Universität. Das Nobel-Komitee zeichnet ihn für die so genannte Negishi-Kupplung aus, eine Variante, die er Mitte der 70er Jahre entwickelte. Auch dieses chemische Verfahren wird bei der Herstellung von Naturstoffen eingesetzt.

Während Suzuki und Heck längst die Uni verlassen haben, steht der 75-Jährige Neghisi noch immer im Labor. Er habe erst die Hälfte seiner Ziele erreicht, erklärte er den Journalisten.

Jede einzelne ist mit zehn Millionen Kronen (1,09 Millionen Euro) dotiert. Die Preisverleihung erfolgt alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag Nobels.

Bislang wurden die Empfänger der Nobelpreise für Medizin und Physik bekanntgegeben, die Auszeichnungen für Literatur und Frieden folgen am Donnerstag und Freitag. Den Abschluss bildet der Preis für Wirtschaftswissenschaften am Montag.


 
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