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Allein durch die Schallmauer: Rekordsprung aus 36.000 Metern

VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 27.02.2010 - 09:42

(RP). Mit einem lebensgefährlichen Fallschirm-Sprung will Felix Baumgartner in diesem Jahr mehrere Rekorde aufstellen. Nicht nur was die Höhe angeht: Als erster Mensch möchte er im freien Fall die Schallmauer durchbrechen.

Am Ende wird es nur ein Schritt aus einer kleinen Kapsel sein, mit dem der österreichische Fallschirmspringer Felix Baumgartner in die Geschichte eingehen will. Als erster Mensch, der aus knapp 36.576 Meter Höhe abgesprungen sein wird und sich ohne ein technisches Fortbewegungsmittel mit mehr als 1110 km/h bewegt hat. Es kann derselbe Schritt sein, der den 40-jährigen Salzburger das Leben kosten könnte. Doch "jeder Mensch hat Grenzen, aber nicht jeder akzeptiert sie", lautet nun mal der Wahlspruch des Red Bull-Projekts, das sich an die Versuche des US-Militärs vor 50 Jahren anlehnt. Damals sprang der Luftwaffen-Oberst Joseph Kittinger mehrmals aus bis zu 31.333 Meter Höhe, um Erfahrungen für das noch junge Astronautenprogramm zu sammeln. Ein Rekord, "der seit 50 Jahren Bestand hat", sagt Kittinger, der das Projekt als Berater begleitet. "Einige haben versucht, ihn zu brechen", fügt der ehemalige Pilot hinzu. Und "viele sind bei dem Versuch ums Leben gekommen".

Es sind gleich mehrere Gefahren, die das Leben von Baumgartner bedrohen werden. Der Ballon, der seine Kapsel in die Höhe tragen wird, übersteigt die so genannte Armstrong-Grenze in 19.200 Metern. Ab da wird die Atmosphäre so dünn, dass der Österreicher einen Raumanzug tragen muss – weil sonst sein Blut zu "kochen" anfangen würde: Gelöster Stickstoff entweicht, die Gasblasen können Adern verstopfen und zu einer Embolie oder Schädigung des Rückenmarks führen. Zudem kann sich die Haut aufblähen und Hände, Füße oder Gesicht anschwellen lassen.

Der moderne Raumanzug, der Baumgartner auch mit Sauerstoff versorgt, gibt ihm dabei genügend Flexibilität, seine Körperlage zu kontrollieren. In 36.000 Meter Höhe hat die Atmosphäre nur noch etwa ein Prozent der Dichte am Erdboden. Er kann seinen Flug also nicht dadurch steuern, dass er versucht, die Luft auszunutzen. Ihm bleibt nur die genaue Kontrolle über seine Muskeln und seine Bewegungen. Diese "Choreografie", wie es bei Red Bull heißt, hat der Fallschirmspringer in den vergangenen drei Jahren trainiert. Dazu zählt auch, wie genau er aus der eine Tonne schweren Kapsel springt – ohne dass sein Flug in einer unkontrollierten Drehbewegung endet, die sein Blut in den Kopf schießen lassen würde.

Eine Ohnmacht wäre noch das kleinste Problem. Kapillargefäße können reißen und zu schweren inneren Blutungen führen. Zur Sicherheit wird er einen speziellen Steuerungs-Schirm tragen, der ihm im Notfall hilft, die Kontrolle zu behalten – ihn aber auch bremsen wird. Was indes nicht sein Ziel ist: Im freien Fall wird nach etwa 35 Sekunden und ungefähr 6000 Metern mit 1110 km/h seine Spitzengeschwindigkeit erreichen. Das ist schneller als der Schall in dieser Höhe. "Es ist ein Schritt ins Unbekannte", gibt Baumgartner zu. "Niemand kann genau sagen, wie ein menschlicher Körper sich da verhalten wird." Denn auch wenn die Atmosphäre extrem dünn ist, wird der 40-Jährige bei seinem Flug die "Restluft" quasi vor sich herschieben und aufstauen. Dieser "Pfropfen" kann sich aber nur mit Schallgeschwindigkeit wieder auflösen. Baumgartner wird schneller sein. Die Luft bildet darum quasi eine Mauer, die er durchstößt. Das ist in der dünnen Atmosphäre indes das geringere Problem. Die Frage ist, was für Druckwellen erzeugt werden. Sie könnten so heftig sein, dass sein Körper heftigen Vibrationen ausgesetzt wird, denen seine Muskeln nichts entgegenzusetzen haben. Er könnte buchstäblich einknicken, oder die Arme könnten vom Körper wegschleudert werden und sein Flug in eine unkontrollierte Taumelbewegung übergehen. Vielleicht bilden sich aber auch mehrere Druckwellen. Für Baumgartner wäre das dann so, als ob er im Zentrum einer Explosion stehen würde.

Hat er diese kritische Phase überwunden, wird sein Flug in einen normalen Sprung übergehen: Wenn die Atmosphäre immer dichter wird, bremst ihn die Luft langsam bis auf etwa 200 km/h ab. In 1520 Meter Höhe wird er seinen Fallschirm öffnen und landen – nach fünf Minuten und 35 Sekunden im freien Fall. Das wäre ein weiterer Rekord. Baumgartner geht es aber nicht nur um die Extreme. Er hofft, ähnlich wie Kittinger vor 50 Jahren, den Astronauten der Zukunft neue Erkenntnisse zu liefern – zu den Belastungsgrenzen des menschlichen Körpers und möglichen Rettungssprüngen aus großer Höhe.

Angaben zu den Kosten des Projekts macht Red Bull nicht. Ebensowenig wie es bisher ein genaueres Datum als nur das Jahr 2010 gibt. Weil alle Wetter-Bedingungen stimmen müssen, möchte man sich nicht festlegen und anschließend den Termin verschieben müssen. Lieber will man den Versuch kurzfristig ankündigen – und dann auch erfolgreich durchführen.

Quelle: RP

 
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