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Schnecke Andre Kuenzelmann 2009 Panorama
  Foto: Andre Kuenzelmann

Wie wirkt der Klimawandel auf die Evolution?: Schneckenjagd für die Wissenschaft

VON SEBASTIAN QUILLMANN - zuletzt aktualisiert: 26.06.2009 - 08:22

Düsseldorf (RPO). In ganz Europa zählen Naturfreunde Schnecken für ein Forschungsprojekt. Die Bänderschnecken stecken überall in Hecken, Wiesen und Wäldern. Sie tragen ihr genetisches Erbe auf dem Rücken. Farbe und Muster der Schneckenhäuser können zeigen, wie der Klimawandel auf die Evolution von Arten wirkt.

„Ich stehe heute an diesem Flussufer, um Ihnen zu zeigen, wie man Bänderschnecken jagt“, sagt Professor Robert Cameron. In einem YouTube Video-Clip lädt der Schneckenforscher ein, sich an dem Projekt „Evolution MegaLab“ zu beteiligen. Es soll Aufschluss geben, wie sich die Farbe und das Muster der Schneckengehäuse verändert hat. Dafür brauchen die Wissenschaftler die Hilfe von Laien aus ganz Europa. Sie sollen die Schnecken sammeln und nach Farben sortiert zählen.

Evolution vor der Haustür

Die Forscher haben es auf zwei bestimmte Arten abgesehen: die Weißmündige und die Schwarzmündige Bänderschnecke. „Diese beiden Arten sind ungewöhnlich wegen der Vielfalt ihrer Gehäuse. Die Farbe und das Bändermuster bestimmen die Überlebenschancen der Schnecke“, sagt Dr. Christian Anton, Deutschland-Sprecher von „Evolution MegaLab“. Die Tiere seien deshalb ideal, um an ihnen die Evolution von Arten zu erforschen.

Info
Die britische Fern-Universität "Open University" hat das Projekt „Evolution MegaLab“ angestoßen. Inzwischen hat es Partner in 13 Ländern Europas.

Es findet anlässlich des Darwin-Jahres statt. 2009 feiert die Wissenschaft den 200. Geburtstag des Begründers der modernen Evolutionstheorie.

Es gibt die beiden Schneckenarten mit gelben, braunen oder roten, einfarbigen oder gestreiften Gehäusen. Auf Wiesen findet man vorwiegend helle Schnecken mit Streifen. Im schattigen Wald und Hecken sind die Gehäuse eher dunkel und einfarbig.

Die Forscher gehen davon aus, dass dies einerseits vom Klima abhängt: Dunkle Schnecken heizen sich in der Sonne schneller auf. So sind in Italien fast nur hellgelbe Exemplare zu finden. Andererseits dienen Farbe und Muster zur Tarnung vor Vögeln, welche die Schnecken aufpicken.

Heißeres Klima, hellere Schnecken

Eine Erwartung ist, „dass wir mehr gelbe Schnecken finden“, sagt Christian Anton. Die aktuellen Daten werden mit Archiven verglichen, die 30 Jahre und älter sind. Mehr gelbe Schnecken als in der Vergangenheit könnten darauf hindeuten, dass der Klima-Wandel schon zu einer Veränderung der Arten geführt hat. Kurz gesagt: Je mehr Sonne die Schnecken abbekommen, desto eher vertrocknen die Tiere mit den dunklen Gehäusen – während sich die hellen vermehren.

Die verschiedenen Farben und Muster der Schnecken bestimmen ihr Überleben. Foto: Christian Anton

So passiert ein kleiner Schritt Evolution direkt vor der Haustüre. Wer sich als Laie an dessen Erforschung beteiligen will, kann sich mit seinem Namen und seiner E-Mailadresse auf der Seite von „Evolution MegaLab“ anmelden. Dort gibt es zahlreiche Informationen zu den Schneckenarten, wie man sie findet und unterscheidet.

Zahlen gehen sofort online

Ein Quiz ermöglicht es den Teilnehmern, die Einordnung der Tiere am PC zu üben, bevor es raus geht in die Natur zum Zählen. Zugleich dient das Quiz dazu, zu bewerten, ob ein Nutzer die Unterscheidung der Schnecken verstanden hat. So soll die Qualität der Daten aus den Zählungen beurteilt werden.

Wer seine Zahlen an das Projekt schickt, der kann gleich Erfolge sehen. „Die Seite ist keine Daten-Einbahnstraße“, sagt Christian Anton. Der Teilnehmer sieht nach wenigen Minuten seine eigenen Daten zusammen mit allen anderen Datensätzen in einer Karte. Auch die Archivdaten früherer Zählungen kann er sich in der Karte anzeigen lassen.

Hat es in der Nähe seiner Sammelstelle schon einmal eine Datensammlung gegeben, dann errechnet die Datenbank sogar automatisch, wie sich dort die Schneckengehäuse verändert haben. Diesen Vergleich bekommt der Teilnehmer per E-Mail. Die gesamten europäischen Daten werden im Herbst und Winter ausgewertet. Die Ergebnisse sollen in der ersten Jahreshälfte 2010 veröffentlicht werden.


 
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