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Gigantisches Projekt in der Arktis: Spektakuläres Klima-Archiv im Eis

VON STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 21.01.2009 - 15:35

Köln (RP). Geologen der Universität Köln brechen im Februar zu einem gigantischen Projekt auf: Sie bohren bei mehr als minus 40 Grad Celsius ein 630 Meter tiefes Loch in der Arktis. Die Proben sollen zeigen, wie unsere Erde auf die Erwärmungen der vergangenen 3,6 Millionen Jahre reagiert hat.

Martin Melles (48) nennt es "das Projekt seines Lebens". Eine Arbeit, die nun in die entscheidende Phase geht. Im Februar reist der Kölner Professor für Geologie in den Nordosten Sibiriens. Dort liegt der Elgygytgynsee – der einzige Ort in der Arktis, der nie vergletschert war. Die Bodenschichten des Sees können somit lückenlos erzählen, wie unsere Erde auf die Klimaveränderungen der vergangenen 3,6 Millionen Jahre reagiert hat.

Erstmals sollen nun die Sedimente des Sees untersucht werden. Ein Vorhaben, das die Klimadiskussion der kommenden Monate und Jahre bestimmen könnte. Martin Melles erklärt die Besonderheit: "Die Arktis erwärmt sich dramatisch stärker als andere Regionen."

"Prognose geben, wie die Erde reagiert"

Wissenschaftler rechnen mit einem Anstieg der Temperaturen um sieben bis acht Grad in den nächsten Jahrzehnten. "Zu befürchten ist sogar, dass der Permafrost auftaut und Gase freisetzt", sagt der gebürtige Bremer. Noch rätseln die Forscher, wie unser Ökosystem darauf reagiert. Melles kann vielleicht schon bald eine Antwort geben. Denn die Forscher stoßen bei den Bohrungen in Epochen vor, in denen es schon einmal so warm war. "Wir können dadurch eine Prognose geben, wie die Erde reagiert", sagt Melles. Eine einzigartige Chance.

Zuvor jedoch müssen die Wissenschaftler ein Abenteuer im ewigen Eis bestehen. Am Elgygytgynsee herrschen Temperaturen von minus 44 Grad. Melles und seine Kollegen tragen Spezialanzüge und Gesichtsmasken. Selbst die Augen müssen mit Skibrillen geschützt werden. Das Bohren selbst ist technisch kein Problem, nur die Bedingungen. Kaum eine andere Region ist schwieriger zugänglich als die Hocharktis. Die nächste Siedlung liegt 260 Kilometer entfernt vom See. Zudem ist es um diese Jahreszeit ganztägig dunkel.

Melles wird zwei Monate mit 35 weiteren Forschern aus Deutschland, Russland und den USA in einem selbst aufgebauten Camp leben. Ihre Hütten stehen auf Schlitten. Es gibt eine Köchin, einen Arzt und eine russische Sauna. Derzeit wohnen bereits Ingenieure dort. Sie präparieren eine Straße zum See und verdicken das Eis. Denn es muss die 70 Tonnen schwere Bohrplattform tragen. Als Eisverstärker haben sich kanadische Experten angeboten. Sie pumpen Wasser auf die Oberfläche, das dort sofort gefriert. Insgesamt wollen sie das Eis von 70 Zentimetern auf zwei Meter verdicken.

Durch einen Meteoriteneinschlag geformt

Danach kann der spannendste Teil der Operation beginnen. Rund 630 Meter tief bohren Melles und seine Kollegen. Auf den ersten 400 Metern erwarten sie Ablagerungen des Sees aus den vergangenen 3,6 Millionen Jahren. Darunter liegt Gestein, das durch einen Meteoriteneinschlag geformt wurde. Auch über dieses Ereignis erhoffen sie sich Erkenntnisse.

Haben sie das Bohrmaterial gehoben, wird es in klimatisierte Container verpackt. "Es braucht eine Temperatur von vier Grad – wie am Boden des Sees – sonst geht alles kaputt", sagt Melles. Ein weiterer Kraftakt: Vom See werden die Sedimente in den nächsten Ort geflogen und von dort nach St. Petersburg. In der Stadt warten Kühl-Lkw, die die wertvolle Fracht nach Köln fahren. Melles rechnet unterwegs mit Schwierigkeiten beim Zoll. Im Spätsommer jedoch soll das gesamte Material in der Domstadt ankommen.

Entsprechende Geräte und Personal stehen bereit. Sie werden vom Bundesbildungsministerium finanziert. "Wir machen hier die Fleißarbeit, öffnen und beschreiben die Proben. Die Amerikaner kümmern sich danach um die langfristige Lagerung", erzählt Melles. In zwei Jahren sollen Wissenschaftler weltweit auf die Daten der Kölner zurückgreifen können. Bis dahin will Melles die wesentlichen Erkenntnisse aus dem Projekt seines Lebens gezogen haben.

Quelle: ErPe

 
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