Wissen der Zukunft: Trinkwasser aus dem Meer
VON STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 24.11.2008 - 07:56Düsseldorf (RP). Um unser Trinkwasser könnten einmal Kriege geführt werden. Denn sauberes Wasser wird auf der Erde immer knapper, und unterirdisch machen Grundwasser-Vorkommen nicht an Staatsgrenzen Halt. Der Entzug der Quellen kann daher in trockenen Regionen problematisch werden. Erstmals haben in diesem Jahr die Vereinten Nationen, die bereits von der „Wasser-Krise“ sprechen, eine Grundwasser-Inventur gemacht. Ihr Fazit: 273 Reservoirs liegen geografisch unter mehr als einem Staat, 90 davon in Westeuropa.
Wie die Untersuchung ergab, deckt die EU derzeit 70 Prozent ihres Süßwasserbedarfs aus den unterirdischen Vorkommen. In anderen Regionen der Welt liegt der Prozentsatz deutlich höher. Eine Lösung für die globale Trinkwasser-Knappheit, bei der immer mehr von den unterirdischen Reserven angezapft werden, könnten Entsalzungs-Anlagen sein. Bis vor 20 Jahren lohnte sich das aufwändige Verfahren kaum. Inzwischen aber sind weltweit 13 000 Entsalzungs-Anlagen in Betrieb. Sie produzieren täglich 70 Millionen Kubikmeter Frischwasser. Das ist etwa fünf Mal so viel wie täglich in Deutschland verbraucht wird. Nach Informationen des Vereins Deutsche Meerwasser-Entsalzung (DME) mit Sitz in Duisburg hängen eine halbe Milliarde Menschen von diesen Systemen ab, insbesondere in den arabischen Ländern und allen trockenen Regionen mit Zugang zum Meer. Tendenz steigend.
„Das ist ein Riesen-Zukunftsmarkt“, sagt Claus Mertes, Vorsitzender des DME. Bis 2015 erwartet er ein Investitions-Volumen von bis zu 200 Milliarden Euro in neue und bestehende Anlagen. Deutsche Unternehmen profitieren davon, weil sie viele Komponenten der Technologie anbieten.
Auf dem Markt haben sich mehrere Verfahren etabliert. Seit den ersten Entsalzungs-Versuchen in den 1960er Jahren gibt es die thermische Verdampfung. Dabei wird Wasser an Land gepumpt, mit viel Energie erhitzt und das Kondensat aufgefangen. Das Verfahren rentiert sich jedoch nur, wenn es an andere industrielle Prozesse gekoppelt ist, bei denen ohnehin Wärme abfällt. Zum Beispiel bei Kraftwerken oder beim Stahlkochen.
Stehen diese Hitze-Quellen nicht zur Verfügung, wird in modernen Anlagen die Umkehrosmose eingesetzt: Meerwasser wird mit hohem Druck durch eine Membran gepresst und dabei vom Salz getrennt. Den Strom für die Pumpen können künftig Solaranlagen liefern. Die erste vollkommen umweltfreundliche, schwimmende Entsalzungsanlage dieser Art nahm 2007 vor der griechischen Insel Iraklia den Betrieb auf und liefert 70 Kubikmeter Trinkwasser am Tag.
Ein Durchbruch: Noch vor einigen Jahren hatte die Umweltorganisation WWF in einer Studie gezeigt, dass die Entsalzung teuer und energieintensiv ist. Zudem habe die Rückführung des entzogenen Salzes negative Folgen für Tiere und Pflanzen im Meer. Die neue Anlage in Iraklia kann jedoch das gewonnene Salz wiederverwerten.
Ob das Problem der globalen Trinkwasserknappheit damit gelöst ist, vermag Mertes noch nicht zu sagen. „200 Kilometer von der Küste entfernt macht die Entsalzung keinen Sinn mehr“, sagt er. Sie könne jedoch eine wichtige Hilfe sein.
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