Forscher: Ukrainische Staubwolke sorgt für Feinstaub in Deutschland
zuletzt aktualisiert: 09.05.2008 - 07:20Leipzig (RPO). Wissenschaftler sind einer neuen Ursache für Feinstaub in Deutschland auf die Spur gekommen: Durch Versteppung und brachliegende Ackerflächen werden häufig riesige Staubwolken aufgewirbelt. Dadurch wird die Luftqualität in Europa offenbar stärker beeinflusst als bisher angenommen.
Das schließen Forscher aus der Untersuchung einer Staubwolke, die sich 2007 über ausgetrockneten Ackerflächen im Süden der Ukraine gebildet und zu extremen Feinstaubkonzentrationen in Mitteleuropa geführt hatte. Bisher galt die Sahara als Hauptquelle für Staub, der über Ferntransport nach Mitteleuropa gelangt, wie das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig mitteilt.
Die beobachtete ukrainische Staubwolke verbreitete sich im März 2007 über die Slowakei, Polen und die Tschechische Republik bis nach Deutschland. Dabei kam es laut UFZ kurzzeitig zu Spitzenkonzentrationen von PM10-Feinstaub zwischen 200 und 1400 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der EU-Grenzwert für das Tagesmittel liege bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter.
Die Gesamtmasse der Staubwolke wurde auf mindestens 60.000 Tonnen geschätzt. Das entspricht den Angaben zufolge mehr als 600 Eisenbahnwaggons voller Sand. Die tatsächliche Masse war wahrscheinlich sogar noch viel höher, da die Messgeräte nur den Anteil an Partikeln erfassen, der kleiner als 10 Mikrometer (0,01 mm) ist.
Solche Wetterlagen träten offenbar zwar relativ selten auf, heißt es. Die unerwarteten Ausmaße zeigten aber, dass es nötig sei, die Prozesse besser zu verstehen, die zur Bildung und zum Transport solcher Staubmengen führten.
Das gelte gerade vor dem Hintergrund der vom Menschen verursachten Wüstenausbreitung und des Klimawandels, betonten die Forscher des UFZ sowie des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung, der Freien Universität Berlin und des Sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie. Staubpartikel in Luft dämpften sowohl die Sonneneinstrahlung in die Atmosphäre als auch die Wärmestrahlung ins All und seien so die "große Unbekannte" in den Klimamodellen.
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