Kurzhalsiger Sauropode: Ungewöhnliche Dinosaurierart entdeckt
zuletzt aktualisiert: 03.06.2005 - 08:24Bonn (rpo). Die Langhalssaurier gehörten zu den Giganten der Urzeit. Bisher waren die so genannten Sauropoden vor allem für ihre langen Hälse, massigen Körper und kleinen Gehirne bekannt. Sie galten gemeinhin als unspezialisierte vegetarische Allesfresser, die schon allein aufgrund ihrer Größe alles, was in ihrer Reichweite lag, in sich hineinschlingen mussten.
Eine neu entdeckte Dinosaurierart widerspreche jetzt aber diesem Bild und zeige, dass diese Tiere anpassungsfähiger waren, als allgemein angenommen, teilt die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn mit und verweist auf die Studie eines deutsch-argentinischen Forscherteams um den Münchner Paläontologen Oliver Rauhut.
Ein argentinischer Schafzüchter hatte vor einiger Zeit den bei weitem kurzhalsigsten Langhalssaurier entdeckt, der bisher gefunden wurde. Brachytrachelopan mesai (Mesas kurzhalsiger Hirtengott) heißt der neue Sauropode, den Rauhuts Team in Patagonien ausgegraben hat. "Als wir feststellten, wie kurz die einzelnen Halswirbel wirklich waren, konnten wir es zuerst gar nicht glauben - es widersprach einfach jeder Vorstellung eines Sauropoden", sagt Rauhut. Tatsächlich ist der Hals von Brachytrachelopan deutlich kürzer als die Rückenwirbelsäule - eine bei den Sauropoden einmalige Anpassung.
Der kurze Hals deutet darauf hin, dass Brachytrachelopan sich in seiner Lebensweise deutlich von anderen Sauropoden unterschied. Vermutlich war dieses Tier eher wählerisch in der Auswahl seiner Futterpflanzen und hatte sich auf Pflanzen einer bestimmten Höhe spezialisiert. Dazu passt auch die für einen Sauropoden geringe Größe von zehn Metern oder weniger. "Die Spezialisierung auf eine bestimmte Futterquelle mag eine Beschränkung für das Größenwachstum dieser Tiere gewesen sein", sagt Rauhut. "Somit mögen umgekehrt die geringe Nahrungsspezialisierung und der lange Hals anderer Sauropoden wichtige Voraussetzungen für ihren Gigantismus gewesen sein."
Dazu kommt auch noch ein weiterer Umstand. Brachytrachelopan gehört zu einer Gruppe von Sauropoden, die man erst seit dem oberen Jura kennt, also seit etwa 150 Millionen Jahren. Dann habe sie sich aber schnell in weiten Teilen der Welt verbreitet, heißt es weiter. In einer Welt, die sich zu dem Zeitpunkt aufgrund des Auseinanderbrechens des Superkontinentes Pangäa rasch veränderte, erreichte sie eine hohe anatomische Vielfalt. "Es scheint, dass die Sauropoden erfolgreicher und anpassungsfähiger waren, als man gemeinhin angenommen hat", fasst Rauhut die Ergebnisse der Forschungen zusammen.
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