Tests negativ: Verdacht auf Vogelgrippe in Belgien nicht bestätigt
zuletzt aktualisiert: 14.01.2006 - 17:23Brüssel (rpo). Der Verdacht auf eine Vogelgrippe-Erkrankung bei einem Türkei-Reisenden in Belgien hat sich nicht bestätigt. Test verliefen negativ. Es sei zu "hundert Prozent" sicher, dass der mit Grippesymptomen ins Krankenhaus eingelieferte Patient keine Vogelgrippe habe. Dies erklärte der Virologe René Snacken am Samstag im Saint-Pierre-Krankenhaus in Brüssel.
Zuvor hatte Gesundheitsminister Rudy Demotte Entwarnung gegeben. Er bestätigte, dass es sich bei dem Kranken um einen russischen Journalisten handelte. Der Mann war laut der Nachrichtenagentur Belga am Donnerstag von einer Reportagereise im türkischen Vogelgrippe-Gebiet zurückgekehrt. Es wäre der erste Fall von Vogelgrippe bei einem Menschen innerhalb der Europäischen Union gewesen.
Tests an dem Patienten hätten zweimal ausgeschlossen, dass der Patient das Vogelgrippe-Virus H5 in sich trage, sagte der Virologe vom staatlichen Gesundheitsinstitut weiter. Zugleich sei zweimal das Virus H3 nachgewiesen worden, einer saisonalen Grippeerscheinung.
Nach Angaben eines Mitgliedes des interministeriellen Vogelgrippe-Ausschusses war der Russe am Freitag mit Symptomen wie Fieber und Husten ins Krankenhaus gekommen. Weil er soeben aus der Vogelgrippe-Region in der Türkei zurückgekommen sei, hätten die Ärzte den Mann unter Beobachtung gestellt und die belgischen Gesundheitsbehörden unterrichtet.
18 Menschen erkrankt
In der Türkei sind bislang insgesamt 18 Menschen an der Vogelgrippe erkrankt, drei Kinder ein ausgesprochen. "Wir müsrankheit. Das auch für den Menschen lebensgefährliche Virus H5N1 war Ende Dezember im Osten der Türkei aufgetaucht und hatte sich rasch nach Westen ausgebreitet. Mittlerweile ist fast ein Drittel der 81 türkischen Provinzen betroffen. Die Vogelgrippe-Todesfälle sind die ersten außerhalb Asiens. Weltweit starben seit 2003 inzwischen fast 80 Menschen an der Infektionskrankheit.
Wegen der wirtschaftlichen Folgen für die türkischen Geflügelzüchter beschloss die Regierung in Ankara die Einsetzung eines Ad-hoc-Komitees, das Hilfsvorschläge für die Branche erarbeiten solle. Maßnahmen könnten höhere staatliche Subventionen und günstige Kredite sein, sagte Vize-Ministerpräsident Abdüllatif Sener am Samstag nach einem Treffen mit Vertretern der Geflügelzüchterbranche.
An dem Krisengespräch nahmen auch Wirtschaftsminister Ali Babacan, Finanzminister Kemal Unakitan und Landwirtschaftsminister Mehdi Eker teil. Die Vorschläge sollten Mitte kommender Woche vorgestellt werden.
Fachleuten zufolge brach der Konsum von Geflügelprodukten nach Bekanntwerden der ersten Vogelgrippe-Opfer Ende Dezember in der Türkei um 70 Prozent ein. Normalerweise erzielt die Geflügelbranche des Landes einen Jahresumsatz von 2,5 Milliarden Euro. Ungefähr 500.000 Menschen verdienen in der Branche ihren Lebensunterhalt.
Angesichts des bedrohlichen Ausmaßes der Epidemie soll die Türkei Hilfsgelder in Millionenhöhe erhalten. Die Weltbank will insgesamt 35 Millionen Dollar (28,9 Millionen Euro) bereitstellen, wie Landwirtschaftsminister Eker am Freitag mitteilte. Davon sollten 12,4 Millionen Euro als Darlehen gezahlt werden.
Auch die EU-Kommission kündigte an, einen Teil ihrer 80 Millionen Euro für den weltweiten Kampf gegen die Vogelgrippe an der Türkei übermitteln zu wollen. Die USA wollten am Montag ein Expertenteam ins Land schicken, wie Außenamtssprecher Sean McCormack sagte.
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