Ankara: Vogelgrippe breitet sich in Türkei aus
zuletzt aktualisiert: 08.01.2006 - 13:45Ankara (rpo). Nach den ersten Toten in einem türkischen Dorf sind nun auch in der türkischen Hauptstadt Ankara drei Menschen an der Vogelgrippe erkrankt. Zwei Kinder und ein Erwachsener seien positiv getestet worden und lägen im Krankenhaus, teilten die Behörden mit. Ob es sich um den tödlichen Virusstamm H5N1 handelt, ist noch nicht bekannt.
Auch nahe der westtürkischen Stadt Bursa wurde eine Infektion von Geflügel registriert, wie die Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag berichtete. Zugleich bestätigte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die ersten Todesfälle von zwei Menschen außerhalb des Fernen Ostens. Demnach waren die beiden im türkischen Van verstorbenen Geschwister mit dem H5N1-Virus infiziert.
Über die Todesursache des 14-jährigen Jungen und seiner 15-jährigen Schwester aus Dogubayazit in der südosttürkischen Provinz Van hatte es mehrfach widersprüchliche Meldungen gegeben. Ob die am Freitag gestorbene elfährige Schwester der beiden Jugendlichen demselben Erreger erlag, stand vorerst noch nicht fest. Laut WHO-Sprecherin Maria Cheng wurde auch noch untersucht, ob die Krankheit womöglich von Mensch zu Mensch übertragen wurde. Die türkische Behörden schlossen dies allerdings weitgehend aus.
Bestätigt wurde noch eine weitere H5N1-Infektion bei einem fünfjährigen Jungen. Dieser liegt in kritischem Zustand im selben Krankenhaus von Van, in dem die Geschwister verstarben. Ein achtjähriges Mädchen wurde dort von türkischen Ärzten ebenfalls positiv auf den gefährlichen Vogelgrippe-Erreger getestet. Die Bestätigung aus dem britischen Referenzlabor stand in diesem Fall vorerst noch aus. Die Zahl der Vogelgrippe-Verdachtsfälle bei Menschen in der Türkei stieg nach WHO-Angaben auf rund 50.
WHO-Sprecherin Cheng verwies auf die großen Entfernungen zwischen Südostasien und der Türkei. Wenn das tödliche Virus eine solche räumliche Distanz überbrücken könne, sei dies in der Tat sehr Besorgnis erregend. Offensichtlich werde der Erreger von Zugvögeln auf das heimische Geflügel übertragen und dann an Menschen weiter gegeben.
In Südostasien und China sind der Vogelgrippe schon mehr als 70 Menschen zum Opfer gefallen, die sich bei erkrankten Vögeln infiziert hatten. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Die Möglichkeit wird aber zunehmend befürchtet, da das Virus mutieren könnte.
Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer bot der Türkei im Kampf gegen die Vogelgrippe die Hilfe Deutschlands an. Man könnte sofort Virologen des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit auf der Insel Riems entsenden, schrieb der CSU-Politiker in einem Beitrag für die "Bild am Sonntag". Die Wissenschaftler könnten dabei helfen, die Krankheit rechtzeitig zu erkennen und zu bekämpfen.
Die Fälle in der Türkei zeigten, dass man auch in Deutschland äußerst vorsichtig sein müsse, warnte Seehofer. Schon bald zögen wieder Millionen Zugvögel heran, die infiziert sein könnten. Davor hätten die Menschen zu Recht Angst. Es müsse jedoch keine Panik ausbrechen, zumal Deutschland mit einem bundesweiten Krisenplan bestens vorbereitet sei.
In der Gegend um Dogubayazit, dem Heimatort der verstorbenen Geschwister, wurden schon etwa 30.000 Vögel vorsorglich getötet, wie der türkische Fernsehsender NTV am Sonntag berichtete. Viele Dorfbewohner wehrten sich nach Behördenangaben verzweifelt dagegen, weil sie ihre Lebensgrundlage bedroht sehen. Die Regierung verstärkte ihre Informationskampagne, um die Menschen über die Gefahren einer Infektion aufzuklären. Die Jagd auf Vögel wurde landesweit verboten.
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