Türkei: Vogelgrippe breitet sich weiter aus
zuletzt aktualisiert: 09.01.2006 - 13:48Istanbul (rpo). Die Vogelgrippe breitet sich in der Türkei weiter aus. Wahrscheinlich haben sich schon 15 Menschen in verschiedenen Landesteilen mit dem gefährlichen Virustypen H5N1 infiziert. Am Montag wurden fünf weitere Menschen positiv auf den potenziell tödlichen Erreger getestet. Eine Bestätigung des britischen Referenzlabors der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stand zunächst allerdings noch aus, was auch noch für sechs weitere Fälle galt.
Die EU verhängte ein Importverbot für Federn aus sechs Anrainerstaaten der Türkei. Die fünf jüngsten Vogelgrippe-Fälle ereigneten sich laut dem türkischen Gesundheitsministerium in vier verschiedenen Provinzen im Osten und in der Mitte des Landes sowie an der Schwarzmeerküste. Dies bedeutete eine Ausbreitung auf weitere Landesteile.
Zu Jahresbeginn waren nur Erkrankungen aus der südöstlichen Provinz Van gemeldet worden. Am Sonntag gab es dann erstmals drei Fälle in der rund 1.000 Kilometer weiter westlich gelegenen Hauptstadt Ankara. Die Gesundheitsbehörden erklärten, sie beobachteten die Entwicklung sehr genau, um eine Epidemie zu verhindern.
Bei vier Türken gab es am Montag keinerlei Zweifel mehr an der H5N1-Infektion. Dies betraf zwei verstorbene Geschwister aus Dogubayazit bei Van sowie einen fünfjährigen Jungen und ein achtjähriges Mädchen aus derselben Gegend. Vom Referenzlabor unbestätigt war zunächst noch die äußerst wahrscheinliche Infektion einer ebenfalls verstorbenen Schwester der toten Jugendlichen sowie zweier weiterer Kinder aus Van.
Kaum Krankheitssymptome
Auch bei drei Patienten in Ankara registrierten türkische Mediziner eine H5N1-Infektion. Dabei handelt es sich um zwei Brüder im Alter von zwei und fünf Jahren und einen 65-jährigen Mann. Die kleinen Jungen hatten einem Arzt zufolge mit den Handschuhen ihres Vaters gespielt, der außerhalb Ankaras zwei tote Wildgänse untersucht hatte. Trotz des positiven Tests schienen die Kinder aber kaum Krankheitssymptome zu zeigen.
Unterdessen stieg auch die Zahl der noch völlig unbestätigten Verdachtsfälle weiter an. Am Montag wurden landesweit mindestens 18 weitere Menschen mit auffälligen Symptomen in Krankenhäuser eingeliefert.
Die Europäische Union verbot den Import von unbehandelten Federn aus Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Syrien, dem Iran und dem Irak. Auch andere Geflügelprodukte aus diesen östlichen Anrainern der Türkei dürfen vorerst nicht mehr eingeführt werden, wie Kommissionssprecher Michael Mann in Brüssel mitteilte.
Der italienische Gesundheitsminister Francesco Storace lud Tiermediziner, Virologen und andere Experten zu einer Sondersitzung hinter verschlossenen Türen ein. Im Interview der Zeitung "La Repubblica" erklärte er, wegen der Vogelgrippe in der Türkei müssten möglicherweise neue Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Angesichts des Näherrückens der Infektionen von Menschen sei die Lage sehr ernst.
Weiterer Todesfall in Indonesien
Unterdessen wurde ein weiterer Vogelgrippe-Todesfall in Indonesien bekannt. Tests hätten ergeben, dass ein bereits am 2. Januar verstorbener 39-jähriger Mann an der Tierseuche erkrankt gewesen sei, teilte das Gesundheitsministerium in Jakarta am Montag mit. Sollte die WHO die Infektion bestätigen, wäre dies der zwölfte Todesfall in Indonesien. Die Vogelgrippe hat in Südostasien und China schon mehr als 70 Menschen das Leben gekostet. Die H5N1-Infektionen in der Türkei sind die ersten außerhalb des Fernen Ostens.
Das nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerium plant derzeit keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen gegen eine Einschleppung der Vogelgrippe. Allerdings finden an den Flughäfen und Busbahnhöfen des Landes weiter verstärkte Kontrollen von Reisenden statt, wie eine Ministeriumssprecherin am Montag auf ddp-Anfrage sagte. Diese Maßnahme war bereits im September vergangenen Jahres angeordnet worden.
Die größte Gefahr für ein Übergreifen der in der Türkei ausgebrochenen Tierseuche gehe nach Ansicht des Ministeriums von Geflügelfleisch und lebenden Tieren aus, die Reisende nach NRW bringen könnten, sagte die Sprecherin weiter. Eine Gefahr durch Zugvögel bestehe dagegen derzeit nicht. Eine Stallpflicht für das Geflügel in NRW sei daher zunächst nicht notwendig.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum








