Nigeria: Vogelgrippe-Virus hat Afrika erreicht
zuletzt aktualisiert: 08.02.2006 - 18:59Paris (rpo). Befürchtungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sind wahr geworden. Das auch für den Menschen gefährliche H5N1-Virus der Vogelgrippe hat über Zugvögel auch Afrika erreicht. Bei tausenden Hühnern einer Zuchtbatterie in Nigeria wurde der besonders aggressive Virenstamm H5N1 nachgewiesen. Obwohl die nigerianischen Behörden sofort den Betrieb desinfizieren ließen und das Dorf unter Quarantäne stellten, rechnen Experten mit einer weiteren Ausbreitung der Tierkrankheit in Afrika.
40.000 Tiere seien bereits der Krankheit erlegen, sagte ein Experte des internationalen Tierseuchenamtes OIE, Alex Thiermann. Die restlichen 6.000 Hühner der Farm seien getötet worden. Nigerianische Behörden ließen den Betrieb im Dorf Jaji in der nördlichen Region Kaduna desinfizieren und unter Quarantäne stellen. Die OIE berate gemeinsam mit der UN-Landwirtschaftsorganisation (FAO) über das weitere Vorgehen, sagte Sprecherin Maria Zampaglione. Experten seien in die Region entsandt worden. Landwirtschaftsminister Adumu Bello sagte, künftige Verdachtsfälle würden unter Quarantäne gestellt. Gabun und Mauretanien ergriffen am Mittwoch Vorsichtsmaßnahmen.
Die Tierseuchen-Experten ziehen Parallelen zum Auftreten der Krankheit in Südostasien. In Vietnam, Thailand und Indonesien war das Virus zunächst ebenfalls nur vereinzelt beobachtet worden. Da die meist armen Landwirte vor Ort zumeist nichts über die Verbreitung der Vogelgrippe wissen, hatte sich H5N1 dort rasch verbreiten können. Mittlerweile sind in Südostasien mehr als 70 Menschen an der Vogelgrippe gestorben: Sie hatten sich bei infiziertem Geflügel angesteckt.
Experten schätzen die Situation in Afrika ähnlich ein. "Wir müssen einen völligen neuen Kontinent betrachten", sagte Thiermann. Die tierärztliche Infrastruktur müsse dringend verbessert werden, um Krankheitsfälle schnell erkennen und rasch darauf reagieren zu können. Ein FAO-Vertreter sagte, wenn die Lage in Nigeria außer Kontrolle gerate, werde das unter anderem den Lebensunterhalt von Millionen Menschen schwer beeinträchtigen.
Auch Nordchina ist erneut betroffen, wie Behörden bestätigten. Der Krankheit seien Anfang Februar bis zu 15.000 Tiere in der Stadt Yijing in der Provinz Shanxi zum Opfer gefallen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Fast 190.000 Tiere in dem Gebiet seien vorsichtshalber getötet worden. Es handelt sich um den 29. bestätigten Ausbruch der Vogelgrippe in China seit Oktober 2005.
In Hongkong wurde das H5N1-Virus nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums bei einem toten Reiher nachgewiesen. Tests bei einem zweiten toten Vogel stünden noch aus. Die Tiere wurden am Dienstag entdeckt.
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