Fremdsprachen bei Tieren: Wale können Seelöwengebell nachahmen
zuletzt aktualisiert: 23.08.2006 - 11:11London (rpo). Da sage nochmal einer, nur Menschen wären so klug, sich neben ihrer Muttersprache auch noch andere Sprachen anzueignen. Wie britisch-kanadische Forscher herausgefunden haben, beherrschen auch Wale diese Fähigkeit. Die Meeressäuger ahmen zum Beispiel das Gebell von Seelöwen nach - wenn sie bei den artfremden Tieren aufwachsen.
Auch die anderen Lautäußerungen, die das beobachtete Tier namens Luna von sich gibt, sind uncharakteristisch für Orcas, entdeckten die Wissenschaftler. Über ihre Beobachtung berichten Andrew Foote von der Universität in Durham und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Biology Letters". Den Angaben nach lebt Luna bereits seit ihrer Kindheit von ihrer Familie getrennt und hatte daher wahrscheinlich keine Gelegenheit, das klassische Lautrepertoire zu erlernen - ein Effekt, der sich bei vielen isoliert lebenden Walen beobachten lässt. Dass die Tiere jedoch auch in der Lage sind, artfremde Laute zu erlernen, war bislang nicht bekannt.
Im Gegensatz zu Singvögeln ahmen Säugetiere in freier Wildbahn nur extrem selten fremde Laute nach. Wenn Jungtiere allerdings von Nicht-Artgenossen aufgezogen werden, kann es durchaus zu solchen Sprachvariationen kommen, wie Wissenschaftler beispielsweise bei Belugas, Elefanten und Seehunden beobachtet haben. Von Orcas war dagegen bislang nur bekannt, dass sie die Dialekte anderer Schwertwalgruppen annehmen können und manchmal eigene Lautvariationen entwickeln, wenn sie isoliert aufwachsen.
Untypisches Frequenzzentrum
Als Foote und seine Kollegen nun jedoch einige Unterwasseraufnahmen der fünfjährigen Luna auswerteten, stießen sie auf eine Reihe von Lauten, die sie zuerst für das Bellen von kalifornischen Seelöwen hielten. Eine genauere Analyse zeigte jedoch, dass die kurzen, bellenden Laute ein für Seelöwen völlig untypisches Frequenzspektrum aufwiesen. Auch entstanden einige der Lautäußerungen zu einer Zeit, als sich lediglich der Wal Luna, jedoch kein Seelöwe in Hörweite befand. Außerdem war das Gebell in vielen Fällen in eine Serie typischer Orcarufe eingebettet. Das lässt nach Ansicht der Wissenschaftler nur einen einzigen Schluss zu: Die Laute stammen nicht von Seelöwen, sondern wurden von Luna produziert.
Der junge Wal hält sich häufig in der Gesellschaft von Seelöwen auf. Das hatten bereits frühere Studien gezeigt. Die Forscher halten es daher für möglich, dass diese Tiere Luna als Vorbilder beim Erlernen ihres Lautrepertoires gedient haben - vor allem, da sie von ihren eigenen Artgenossen getrennt war.
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