Rätsel des Alltags: Warum Fettaugen rund sind
VON DR. DIETER THIERBACH - zuletzt aktualisiert: 23.02.2005 - 07:24Düsseldorf (RP). Aus runden Fettaugen guckt die Fleischbrühe ihren potenziellen Esser stets an. Warum die Augen sich auch nach dem ehrgeizigen Umrühren immer wieder in kleine runde Flächen teilen, weiß Professor Thomas Vilgis.
Fettaugen schwimmen stets auf Wasseroberflächen und mischen sich deshalb nicht mit dem flüssigen Untergrund. „Dass sie immer kreisförmig sind, liegt an der Oberflächenspannung“, formuliert Thomas Vilgis, Professor am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz seine „molekulargastronomische“ Antwort.
Den Effekt, der an Grenzflächen zwischen zwei unterschiedlichen Medien auftritt, kann man besonders bei Oberflächen von Flüssigkeiten beobachten. Er hat seine Ursache in den zwischenmolekularen Kräften, die - in diesem Fall - die Fettaugen zusammenhalten.
Diese so genannten Kohäsionskräfte gleichen sich im Inneren der Flüssigkeit für die einzelnen Moleküle aus, weil dort jedes Molekül rundherum von Nachbarmolekülen umgeben ist. An der Oberfläche gibt es jedoch nach außen hin keine Nachbarmoleküle; daraus resultiert eine Kraft, die in das Innere der Flüssigkeit gerichtet ist. Deutlich wird sie an der Krümmung der Oberfläche.
Aufgrund der Oberflächenspannung ist jede Flüssigkeit bestrebt, ihre Oberfläche zu verkleinern. Besonders eindrucksvoll sieht man das am Quecksilber. Das flüssige Metall bildet spontan runde Tröpfchen, wenn man es auf eine flach liegende Glasplatte gießt.
Thomas Vilgis: „Da das Aufrechterhalten der Tröpfchenform mit Energie verbunden ist, dürfen wir, grob gesagt, annehmen, dass diese Energie mit der Länge der Begrenzungslinie zunimmt. Jeder Energieaufwand ist aber in der Physik immer ungünstig.“
Zurück zur Bouillon: Die kürzeste Begrenzungslinie bei festgelegter Fläche ist immer der Kreis. Der Energieaufwand ist dann minimal, das Tröpfchen „fühlt sich so am wohlsten“. Die Bildung der energetisch optimalen Form funktioniert so schnell, weil die Fetttröpfchen auf der Wasseroberfläche schwimmen und nahezu keine Reibung im Spiel ist. Sobald man versucht, das Fettauge aus seiner Kreisform zu bringen, treibt es die erhöhte Spannung in der Begrenzungslinie sofort in die Kreisform zurück.
Damit kann man auch verstehen, warum Fettaugen auf der Bouillon sich gerne zu größeren Gebilden vereinigen. Viele kleine Fettaugen haben viele kleine Begrenzungslinien. Die kosten ebenfalls Energie. Ein riesiges Fettauge hat insgesamt eine kürzere Begrenzungslinie als viele kleine. „Und schon verschmelzen sie miteinander, sobald sie Gelegenheit dazu haben.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum








