Rätsel des Alltags: Warum haben auch Männer Brustwarzen?
VON DR. DIETER THIERBACH - zuletzt aktualisiert: 02.03.2004 - 12:52Düsseldorf (rpo). Dass Frauen von der Natur mit Brustwarzen ausgestattet worden sind, macht ja durchaus Sinn. Stellt sich aber die berechtigte Frage: Warum haben eigentlich auch Männer welche abbekommen?
In den neun Monaten vor unserer Geburt gibt es einen Zeitraum, in dem die Entwicklung von Jungen und Mädchen identisch ist.
Zwar wird das Geschlecht schon bei der Befruchtung durch das Chromosomenpaar des Spermiums festgelegt, bis zur siebten Schwangerschaftswoche werden aber für beide Geschlechter die gleichen Anlagen gebildet.
Anatomisch besteht während der ersten beiden Entwicklungsmonate kein Unterschied. Auch die Anlage der Keimdrüsen (Hoden bzw. Eierstöcke) unterscheidet sich zunächst nicht.
In diesen ersten Wochen, in denen der Embryo geschlechtlich indifferent ist, bilden sich die lebenswichtigen Organe. Die Grundlage des Sehens ist gelegt, indem die Netzhaut der Augen mit dem Gehirn verbunden ist. Der Gleichgewichtssinn im Ohr ist bereits vorhanden, und Urin wird durch die Nieren ausgeschieden.
Zu diesem Zeitpunkt sind auch die Brustwarzen sichtbar. Aus dem Embryo entwickelt sich ab dem 3. Monat der Fötus. Arme und Beine sind gewachsen, die Hände sind ausgebildet und haben sogar schon Fingernägel.
Jetzt kommen die Geschlechtshormone ins Spiel, die die Geschlechter "trennen". Um das weibliche Geschlecht zu bilden, separiert sich das Harnwegs- vom Geschlechtssystem. Aus den so genannten Müllerschen Gängen werden Eileiter, Scheide und Gebärmutter.
Beim Jungen dagegen bleibt der Harn- und Geschlechtskomplex unverändert bestehen. Die Müllerschen Gänge verkümmern, und die so genannten Wolffschen Gänge entwickeln sich zu Prostata und den Samenblasen.
Das Y-Chromosom ist dabei verantwortlich für die Ausschüttung von Testosteron und dem Anti-Müller-Hormon, welches für die Rückbildung der Anlagen von Uterus und Eileiter sorgt. Ohne dieses Signal entwickelt sich der Embryo zum Mädchen.
Alle weiteren geschlechtsspezifischen Merkmale kommen durch die Wirkung der von den Keimdrüsen produzierten Hormone zustande. Die Symmetrie männlicher und weiblicher Anlagen zeigt sich beim Erwachsenen in einer Vielzahl von Strukturmerkmalen.
Und so besitzen Männer Brustwarzen, die ihnen ein Leben lang erhalten bleiben, weil diese bereits angefangen haben sich zu entwickeln, bevor das Signal zum "Umschalten" auf die männliche Ausprägung empfangen wurde.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum








