Was die Welt bewegt: Was ist Grubenwasser?
zuletzt aktualisiert: 05.02.2007 - 16:51Düsseldorf (RPO). Was versteht man unter Grubenwasser? Und wie kann man damit heizen?
Jeder, der schon einmal mit seinen Kindern am Strand im Sand gebuddelt hat, ist damit vertraut: In Löchern sammelt sich das Nass aus der Umgebung. Untertage ist das nicht anders. Nur stellt es dort ein Problem dar. Das anfallende Grubenwasser, auch Schachtwasser genannt, wird von der Zeche ständig reguliert und in großen Mengen zutage gefördert, damit die Bergleute keine nassen Füße bekommen.
„Grubenwasser setzt sich aus Niederschlags-Wasser und so genanntem Berg-Wasser zusammen“, erklärt Christian Buhrow, Professor am Institut für Bergbau und Spezialtiefbau der TU Bergakademie Freiberg (Sachsen). „Letzteres sind Wasserzutritte in das Grubengebäude aus Grundwasserleitern oder anderen Wasservolumina unter Tage. In Abhängigkeit vom durchströmten Gebirge kann Grubenwasser gelöste und ungelöste Minerale, oft auch fein verteilte Feststoffe enthalten. Vor allem bei Anwesenheit von Schwefel, etwa in sulfidischen Mineralen, können durch dessen Oxidation zu Schwefeldioxid saure Wässer entstehen.
Bei der Entscheidung, wo und wie Strecken, Schächte, Bunker oder Stollen unter Tage hergestellt werden, spielt die Frage des Grubenwassers eine entscheidende Rolle, da das Abpumpen erhebliche Kosten verursachen kann.
Grubenwässer haben auch positive Seiten: Sie bieten eine Möglichkeit der geothermischen Energiegewinnung, der Nutzung von Erdwärme. Inwieweit das unterirdische Nass in „abgesoffenen“ Bergwerken zur Beheizung von Gebäuden genutzt werden kann, untersucht das europäische, durch die EU geförderte „Minewater Project“. Im niederländischen Heerlen wird derzeit geprüft, ob sich das 17 bis 35 Grad Celsius warme Grubenwasser für die Wärmeversorgung von zwei größeren Neubauvorhaben nutzen lässt.
Mit einer großtechnischen Nutzung von Grubenwässern erhoffen sich Experten zahlreiche Impulse für den Strukturwandel in ehemaligen bergbaugeprägten Regionen. Ein erstes Ruhrgebietsprojekt mit thermalem Tiefenwasser soll demnächst auf dem Standort der ehemaligen Zeche Zollverein in Essen gestartet werden.
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