Was die Welt bewegt: Wie entsteht ein Überbein?
VON DR. DIETER THIERBACH - zuletzt aktualisiert: 30.11.2006 - 15:43Düsseldorf (RP). Wie entsteht eigentlich ein Überbein und warum findet man diese meist an den Handgelenken? Sind davon auch Tiere betroffen?
In der Humanmedizin versteht man unter einem Ganglion oder Hygrom, im Volksmund Überbein genannt, einen von Sehnenscheiden oder Gelenkkapseln ausgehenden gutartigen und harmlosen Weichteiltumor. Am häufigsten ist er auf der Rückseite (Streckseite) des Handgelenks lokalisiert. Die zweithäufigste Stelle liegt auf der Beugeseite des Handgelenks, genau dort, wo man den Puls tastet.
Die Größe der Überbeine variiert. Sie sind mitunter so klein, dass sie von außen nicht sichtbar sind, können aber auch mehrere Zentimeter im Durchmesser groß werden. Während Frauen etwa dreimal häufiger betroffen sind als Männer, ist die Erkrankung verstärkt bei jüngeren Menschen zu beobachten.
Untersuchungen belegen, dass es in der Handgelenkskapsel oder in den Sehnenscheiden durch ständige mechanische Beanspruchung zu einer Umwandlung von Bindegewebszellen kommt. Durch den Dauerreiz bilden die am Gelenk lokalisierten Zellen vermehrt Flüssigkeit, die sich zwischen Gelenkknorpel und Gelenkkapsel ablagert.
Das entstehende gallerthaltige Gebilde mit seiner dünnen Gewebewand kann man sich wie einen Luftballon vorstellen: Das Mundstück steht mit der kranken Stelle im Gelenk oder in der Sehnenscheide in Verbindung. Hier wird verstärkt „Gelenkschmiere“, die so genannte Synovialflüssigkeit produziert. Diese wandert durch das Mundstück des Luftballons in den eigentlichen Ballon und dehnt ihn weiter aus.
„Hygrome werden auch bei Großtieren und Hunden beschrieben“, sagt Christian Hackenbroich von der Klinik für kleine Haustiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Bei letzteren sind vor allem das Schultergelenk und der Ellbogen betroffen, während beim Pferd meist die Fesselgelenke oder das Sprunggelenk erkrankt sind. Je nach Tierart, Lokalisation und Schweregrad könne eine Therapie konservativ oder chirurgisch erfolgen.
„Von den Hygromen sind die bei Pferden auftretenden, knöchernen Zubildungen der Mittelhand- und Mittelfußknochen abzugrenzen, welche durch Entzündungen oder Traumata entstehen können und landläufig ebenfalls als ‚Überbein‘ bezeichnet werden. ddt
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