Serie "Unser Wasser" (2): Wie sauber ist das Trinkwasser?
VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 18.06.2008 - 20:36Düsseldorf (RP). Die Umwelt-Skandale der vergangenen Monate schlagen Wellen: Das Landes-Umweltministerium möchte jetzt eine Experten-Kommission zum Schutz des Trinkwassers in NRW einrichten. In unserer neuen Serie berichten wir, wie es um unser Wasser steht.
Kommende Woche soll es so weit sein. Dann möchte NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg die Namen der Experten nennen, die das Trinkwasser in NRW analysieren. Sie sollen Konzepte zum Schutz des Wassers und ein Krisen-Management entwickeln. Denn noch einmal möchte das Ministerium nicht erleben, dass Umweltgifte in Flüssen oder Seen auftauchen.
So wie im März 2006, als in der Ruhr und später in der Möhne PFT (perfluorierte Tenside) entdeckt wurden. Ein giftiges Abfallprodukt der chemischen Industrie und ein Erbstück aus der industriellen Vergangenheit des Landes, das in Verdacht steht, Krebs erregend zu sein. Mit Konzentrationen von 0,56 Mikrogramm pro Liter wurde mehr als das Fünffache des empfohlenen Richtwertes gemessen.
Reinigung läuft auf Hochtouren
Das Trinkwasser war von Dünger aus Industrie-Abfällen belastet worden. Mittlerweile läuft die Reinigung der Möhne, dem Möhnesee und der Ruhr auf Hochtouren. Doch der Vorfall blieb kein Einzelfall: In Arnsberg leitete das Unternehmen Perstorp aus einem ehemaligen Degussa-Werk die Industrie-Chemikalie „Tosu“ in die Ruhr, vor der noch keiner sagen kann, wie ungiftig oder giftig sie ist. Die Belastung erreichte das 30-fache des Empfohlenen. Mittlerweile wurden Maßnahmen ergriffen – nach heftigem Streit zwischen dem Unternehmen und dem Ministerium.
Von PFT und Tosu scheint keine akute Gefahr auszugehen. Aber es sind solche Meldungen, die das Bild vom klaren Wasser trüben, das nur einen Handgriff entfernt ist. Und wir drehen den Hahn oft auf: Pro Tag verbraucht jeder NRW-Bürger im Schnitt 139,1 Liter. Nur etwa fünf davon werden getrunken oder für Mahlzeiten genutzt. Das meiste fließt in den Abfluss oder wird die Toilette hinuntergespült. Immer in einer Qualität, dass es getrost hätte getrunken werden können.
Das bestkontrollierte Lebensmittel
Trinkwasser sei das bestkontrollierte Lebensmittel in Deutschland, sagt Oliver Schmoll vom Umweltbundesamt. Die Qualität sei gut bis sehr gut. Doch „verbesserte Analysemethoden entdecken Stoffe, die vorher unbemerkt ins Wasser gelangt sind“, sagt Hermann Dieter, Toxikologe beim Umweltbundesamt. Stoffe, für die in der Trinkwasser-Verordnung keine verbindlichen Grenzwerte vorgesehen sind, sondern nur Empfehlungen. Bei der Menge an chemischen Verbindungen sei etwas anderes gar nicht möglich. Dazu zählen auch Arzneimittel.
In Waldbröl läuft derzeit ein Pilot-Projekt, um Medikamente aus dem Abwasser zu filtern. Denn ist es erst einmal belastet, ist das Recycling aufwändig, teuer und langwierig. In Düsseldorf-Eller verunreinigte ein Unternehmen bis 1987 das Grundwasser mit Lösungsmitteln. Die Sanierung nähert sich ihrem Ende. Die Kosten: mehr als 22,5 Millionen Euro, die vom Steuerzahler bezahlt werden. Das Unternehmer meldete Konkurs an.
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