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Konferenz für Artenschutz: Wie wir mit der Natur Geschäfte machen

zuletzt aktualisiert: 19.05.2008 - 09:12

Berlin (RPO). Am Montag beginnt in Bonn die 9. Konferenz für Artenschutz. Thema ist unter anderem die sogenannte Biopiraterie. Dabei geht es um den wirtschaftliche hochprofitablen Bereich aus Patenten für Wirkstoffe und Herstellungsverfahren. In der Regel fahren westliche Unternehmen die Gewinne ein. Die Länder der Dritten Welt gehen leer aus.

Kaktusextrakt als Appetitzügler, Wurzelsud gegen Atemwegsinfekte und Savannen-Pflanzen bei Rheuma: Viele Afrikaner nutzen seit jeher die Heilkraft der Natur - wirksam und umsonst. Auch westliche Pharmakonzerne bedienen sich gern am uralten Wissen aus Entwicklungs- und Schwellenländern und stellen damit industriell Pflanzenarznei her.

Während dies Firmen satte Profite beschert und sie sich Wirkstoffe und Herstellungsverfahren vielfach durch Patente sichern, gehen die Herkunftsländer von Rezepten und Rohstoffen oft leer aus. Eignen sich Privatleute genetische oder biologische Ressourcen unrechtmäßig an, dann heißt das landläufig "Biopiraterie".

Auf der UN-Artenschutzkonferenz in Bonn verhandeln von Montag an rund 190 Staaten über Schritte gegen diese Art der Piraterie, die seriös mit einem Beipackzettel daherkommt. Umweltschutz- und Entwicklungsorganisationen fordern strengere Regeln, um die Rechte von Entwicklungsländern und deren Bewohnern zu sichern.

Diese sollen die Kontrolle über ihre genetischen Ressourcen und ihr seit Generationen überliefertes Wissen behalten - und am Gewinn fair beteiligt werden. Gemeinsam machen sich die Organisationen dafür stark, bisher geltende freiwillige Leitlinien durch verbindlichere Vorschriften zu ersetzen. In Bonn sollen nun die Weichen gestellt werden.

Schon jetzt beschäftigt das Thema Biopiraterie Juristen: Entwicklungsorganisationen fechten derzeit Patente auf ein Pflanzenextrakt an, das der deutsche Pharmakonzern Schwabe erfolgreich vertreibt. Der Hersteller wirbt mit dem Slogan "Aus der Savanne Südafrikas" für sein Produkt zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, und tatsächlich - das Rezept basiert auf der traditionellen Heilkunde des Landes. Nach Angaben der Kritiker setzten einheimische Zulu und Xhosa in der südafrikanischen Kap-Region die Pelargonien, aus denen die Tropfen hergestellt werden, schon seit jeher gegen Atemwegsinfekte ein.

Für die Patentgegner geht es hier klar um Biopiraterie: Der Pharmakonzern nutze die Pflanzenwurzeln in Verbindung mit traditionellem Wissen "ohne die vorherige Zustimmung des südafrikanischen Staates und der Dorfgemeinschaften vor Ort", kritisiert Michael Frein vom Evangelischen Entwicklungsdienst (EED), der die Patent-Einsprüche des African Center for Biosafety und betroffenen Einheimischen gemeinsam mit anderen Organisationen unterstützt.

Schwabe-Marketingchef Traugott Ullrich weist den Biopiraterie-Vorwurf "definitiv" zurück. Das Wissen um die Heilkraft der Pflanzen sei schon seit hundert Jahren in Europa bekannt. Im Herstellungsverfahren von Schwabe stecke obendrein viel eigene Entwicklungsarbeit und "sehr viel eigenes Know-how".

Frein spricht von "hunderten und tausenden" mutmaßlichen Fällen von Biopiraterie weltweit. Die indische Regierung habe 2006 eine Studie zu US-Patenten auf indische Heilpflanzen vorgelegt, bei denen Verdacht auf Biopiraterie bestand. Demnach gab es allein im Jahr 2000 bereits 5000 US-Patente auf Medizinalpflanzen aus Indien, im Jahr 2003 seien es bereits 15.000 gewesen. Als einen "eingeschränkt positiven Fall" bezeichnet Frein die Tatsache, dass das afrikanische San-Volk mittlerweile - wenn auch geringe - Lizenzerträge aus der Vermarktung von Appetitzüglern aus dem Hoodia-Kaktus erhält: Denn die San waren es, die die hungerstillende Wirkung der Pflanze entdeckten und nutzten.

Ein Interessenausgleich ist so schwierig wie wichtig, um etwas für Artenvielfalt insgesamt zu tun. Denn auch gegen das Artensterben allgemein soll in Bonn angegangen werden. Dies ist umso aussichtsreicher, je mehr sich Artenschutz für Industrie- wie für Entwicklungsländer rechnet. Der Ökonom Pavan Sukhdev veranschlagt den Wert von Arzneien aus genetischen Ressourcen weltweit auf bis zu 150 Milliarden Euro im Jahr.

Mahner warnen, dass mit jeder ausgestorbenen Art auch ein potenzielles Heilmittel verlorengeht. Trauriges Beispiel ist der australische Magenbrüterfrosch, der seinen Laich im Magen ausbrütete: Dass seine Verdauungssäfte Eier und Kaulquappen nicht auflösten, galt als Verheißung für die Therapie von Magengeschwüren. Als es indes an die genauere Erforschung des Phänomens ging, war der Frosch schon ausgestorben.

Quelle: afp

 
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