Klimaforscher im Interview: Wo der Klimawandel uns trifft
zuletzt aktualisiert: 27.01.2007 - 20:39Düsseldorf (RP). Der Potsdamer Klimaforscher Jürgen Kropp hat berechnet, welche Regionen in Nordrhein-Westfalen unter dem Klimawandel am stärksten leiden werden. Besonders die großen Städte sind gefährdet. Wo uns der Klimawandel am stärksten treffen wird, verriet Kropp unserer Redaktion im Interview.
Der Klimawandel kann nur noch abgeschwächt, nicht aber aufgehalten werden. Da sind sich Wissenschaftler einig. Auch Nordrhein-Westfalen wird die Folgen dieser Veränderung zu spüren bekommen. Die Forschergruppe um Jürgen Kropp vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung hat im Auftrag des NRW-Umweltministeriums berechnet, welche Regionen besonders verwundbar sind.
Herr Kropp, wie wird sich das Klima in Deutschland in Zukunft verändern?
Kropp Für Deutschland geht man davon aus, dass die Durchschnittstemperatur bis 2100 um bis zu vier Grad steigen könnte. Sehr wahrscheinlich sind zwei bis drei Grad. Zudem glauben viele Forscher, dass extreme Wetterereignisse zunehmen. Gemeint sind Hitzewellen im Sommer, starke Niederschläge, Stürme und Überschwemmungen im Winter. Von sehr trockenen Phasen im Sommer werden eher der Osten und der Südwesten Deutschlands betroffen sein, von erhöhten Regenfällen im Winter der Westen.
In Ihrer Studie haben Sie untersucht, wie verwundbar NRW ist, wenn es zu extremen Wetterereignissen kommt.
Kropp Genau. Wir sagen nicht voraus, in welchen Regionen diese Ereignisse besonders oft auftreten werden. Stattdessen haben wir abgeschätzt, welche Regionen besonders empfindlich getroffen werden können.
Klimamodelle rechnen mit häufigeren und stärkeren Hitzewellen. Welche Regionen trifft dies am härtesten?
Kropp Wie stark die Auswirkungen von Hitzeperioden betroffen sind, hängt vor allem von der Bevölkerungsdichte und der Zusammensetzung der Bevölkerung ab. Erfahrungsgemäß leiden ältere und sehr junge Menschen besonders unter hohen Temperaturen. Unsere Studie zeigt, dass die Städte am Rhein und das Ruhrgebiet betroffen sein werden. Auch, weil sich in den Städten die Hitze noch zusätzlich staut.
Gibt es weitere Risiken für die Städte?
Kropp Ja. Infrastruktur und Verkehr können hier durch starke Niederschläge oder Wind- und Hagelstürme lahm gelegt werden. Das kann sich auch auf Arbeits- und Produktionsprozesse auswirken. Insgesamt gehören die großen Städte zu den Regionen, die von extremem Wetter am meisten betroffen sind.
Ein überraschendes Ergebnis?
Kropp Auf den ersten Blick schon. Denn man könnte annehmen, dass besonders die ländlichen Gebiete vom Klimawandel betroffen sein werden.
Auf welche Weise sind ländliche Gebiete empfindlich?
Kropp Mehr als in den Städten ist das Ausmaß der Arbeitslosigkeit auf dem Land vom Wetter abhängig. Die Häufung extremer Wetterlagen kann sich deshalb für ländliche Gemeinden etwa auf die Steuereinnahmen auswirken. Zudem sind stärkere Schäden durch Windbruch und Erosion zu erwarten. Hier sind besonders das Sauerland und die Eifel betroffen.
Wie wird sich unser Leben durch den Klimawandel den in nächsten Jahrzehnten verändern?
Kropp Klar ist, dass der Klimawandel alle Lebensbereiche durchdringen wird. Jeder wird das merken. Wie die Gesellschaft im Einzelnen reagieren wird, ist schwer zu sagen. Denkbar ist vieles, von verpflichtenden Versicherungen gegen Klimaschäden über veränderte Bauvorschriften bis zu Besiedlungsverboten in bestimmten Regionen.
Haben Sie den Eindruck, dass die Politiker die Gefahren erkannt haben?
Kropp Das Thema steht zurzeit stark auf der Agenda. Dennoch konzentrieren sich Politiker zu sehr darauf, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Das ist sehr wichtig. Aber wir können den Klimawandel nicht mehr vollständig verhindern. Wir sollten uns auf die kommenden Auswirkungen einstellen.
Das Gespräch führte Birgit Krummheuer.
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