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Schön seit 3300 Jahren: Nofretete - die anmutige Königin

VON CHRISTIAN BREUER - zuletzt aktualisiert: 26.04.2007 - 16:49

Berlin (RPO). Der hohe Raum im Alten Museum auf der Berliner Museumsinsel ist schlicht gehalten, das Licht wirkt gedämpft. Waren bisher in jeder Abteilung des Museums zahlreiche Kunstwerke zu bestaunen, konzentriert sich hier, am Ende der Galerien, alles auf das Prunkstück der Sammlung. Da steht sie, die Büste der Nofretete, 47 Zentimeter groß, aus bemaltem Kalkstein. „Beschreiben nützt nichts. Ansehen.“, vermerkte der deutsche Ägyptologe Wolfgang Borchert 1912 in seinem Grabungsbericht, und tatsächlich verblasst jede Beschreibung.

Ob die Königsgemahlin tatsächlich so Atem beraubend schön war wie ihre inzwischen 3300 Jahre alte Büste ist kaum mehr nachzuvollziehen. In jedem Fall war sie die wohl mächtigste Frau ihrer Zeit. Als junge Frau wurde sie mit dem späteren Pharao Echnaton vermählt. Der als „Ketzerkönig“ in die Geschichte eingegangene Herrscher wollte einen radikalen Umbruch im Pharaonenreich erzwingen. Er verließ die alte Hauptstadt Theben – das heutige Luxor – und den Karnaktempel und stampfte einen neuen Regierungssitz aus dem Wüstensand: Amarna.

Völlig neue Kunstrichtung

Fortan stand nicht nur der Gott Aton im Zentrum der Verehrung, Echnaton ließ auch eine völlig neue Kunstrichtung schaffen, die ihn und seine Familie mit langen, auffällig gestreckten Köpfen, spitz zulaufenden Bäuchen und schmalen Gliedmaßen zeigte. Und, unerhört für die damalige Zeit, er ließ sich mit seiner Frau in beinahe intimen Momenten darstellen – Hand in Hand oder bei einem Kuss. Selbst heute möchte man fast verschämt wegblicken, weil man sich als ungewollter Betrachter der zärtlichen Berührung wähnt.

Es ist ein Glücksfall, dass die Büste unbeschadet die Jahrtausende überstanden hat. Mit dem Tod Echnatons fand auch sein Umbruchversuch ein jähes Ende. Sein Sohn, ein in seiner Zeit eher unbedeutender Pharao namens Tutanchamun, kehrte zur alten Religionspolitik zurück. Die Priester sorgten dafür, dass möglichst viele Statuen Echnatons und seiner Familie ein einem wahren Bildersturm zerstört wurden.

Die Büste der Nofretete aus der Werkstatt des Bildhauers Thutmosis wurde verschont. So fesselt auch nach 3300 Jahren der Blick in die Augen der Nofretete-Büste jeden Betrachter. Feiner Lidstrich, hohe, betonte Wangenknochen, eine zerbrechlich wirkende Nase, schmale Lippen: An dem Antlitz der attraktiven Frau kann man sich kaum satt sehen.


 
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