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Abitur nach zwölf Jahren umstritten: NRW: Turbo-Abitur stresst Schüler

VON JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 09.02.2008 - 09:49

Düsseldorf (RP). Das Abitur nach zwölf Jahren ist längst umstritten: Die Schüler sind gestresst, die Lehrer ratlos, wie sie die Stofffülle in weniger Zeit vermitteln sollen. Ein Krisengipfel im Schulministerium mit Eltern und Lehrern beschloss einen Maßnahmenkatalog zur Entschärfung der Probleme.

Das Abitur nach der 12. Klasse stresst nach Auffassung vieler Experten sowohl Lehrer als auch Schüler.  Foto: AP, AP
Das Abitur nach der 12. Klasse stresst nach Auffassung vieler Experten sowohl Lehrer als auch Schüler. Foto: AP, AP

Gab es bei den Kopfnoten noch offenen Streit, ging jetzt alles geräuschlos über die Bühne: Schulministerium, Lehrer- und Elternvertreter haben sich auf einen unserer Zeitung vorliegenden Maßnahmen-Katalog geeinigt, wie Probleme der verkürzten Schulzeit bis zum Abitur abgefedert werden sollen. Das Thema ist brisant: In Hessen soll der Unmut über das „Turbo-Abitur“ nach zwölf Jahren ein wesentlicher Grund für die Verluste von Roland Koch gewesen sein. Hessen hat reagiert und deutliche Änderungen angekündigt. Nun handelt auch NRW.

Der Tenor ist immer derselbe: Die Leistungsverdichtung führt vor allem für die jüngeren Schüler zu Belastungen, die Eltern als unzumutbar empfinden. Auch die Lehrer wissen nicht recht, welchen Stoff sie denn nun in der kürzeren Zeit vermitteln sollen - die Lehrpläne sind nach wie vor so allgemein gehalten, dass unklar ist, wo der Stoff gestrafft werden soll.

Im Januar trat daher in Düsseldorf ein kleiner Krisengipfel zusammen: Vertreter des Philologen-Verbandes, der NRW-Direktorenvereinigungen, der Landeselternschaft der Gymnasien trafen sich mit Schulstaatssekretär Günter Wienands. Sie einigten sich auf ein Bündel von Maßnahmen, mit dem die Belastung für die Schüler in Grenzen gehalten und den Lehrern bei der Unterrichtsplanung geholfen werden sollen.

In diesem Punkt erreichte der NRW-Philologenverband mit seinem Chef Peter Silbernagel ein wichtiges Ziel: Die Vorstellung, dass jede Schule das Rad neu erfinden und einen gestrafften Lehrplan ausarbeiten müsste, wurde als Ressourcenverschwendung empfunden. Folgendes wurde verabredet: In der fünften und sechsten Klasse soll an höchstens einem Nachmittag Unterricht stattfinden, in der Stufe sieben und acht an höchstens zwei Nachmittagen pro Woche.

Das wird in der Praxis wohl dazu führen, dass die Schul-Nachmittage länger werden. Klassenarbeiten dürfen nachmittags nicht geschrieben werden. Hausaufgaben sollen an Tagen mit Nachmittagsunterricht in den Fächern entfallen, die am Folgetag auf dem Stundenplan stehen. Bei Nachmittagsunterricht sollen die Schüler eine Mittagspause von einer Stunde haben - nur für eine Übergangszeit sind verkürzte Pausen zulässig.

Die Schulen sollen besser die Möglichkeit nutzen, die Wochenstundenzahl zu variieren und die jüngeren Schüler zu entlasten. Der Rahmen liegt für die Klassen fünf und sechs bei 30 bis 33, für die Stufen sieben und acht bei 31 bis 34 und für die Klasse neun bei 32 bis 35 Stunden. Zudem sollen Förderstunden (nicht für alle Schüler verbindlich) klar ausgewiesen werden, damit Eltern und Schüler höhere Wochenstundenzahlen akzeptieren.

Einer der dicksten Brocken: Das Schulministerium will Musterlehrpläne mit genaueren Stoffvorgaben entwickeln. Bis zum neuen Schuljahr sollen die Lehrpläne in Deutsch, Englisch Mathematik, Latein und Französisch präzisiert werden - damit klarer wird, welcher Stoff verzichtbar ist.

Quelle: RP

 
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