Vattenfall: Erstes CO2-freies Kraftwerk in Betrieb genommen

zuletzt aktualisiert: 09.09.2008 - 11:41

Berlin (RPO). Die weltweit erste Pilotanlange zur Erforschung CO2-armer Stromerzeugung mit Braunkohle soll am Dienstag im brandenburgischen Schwarze Pumpe in Betrieb gehen.

Die Arbeiten am Vattenfall-Versuchskraftwerk sind nun beendet. Foto: ddp
Die Arbeiten am Vattenfall-Versuchskraftwerk sind nun beendet. Foto: ddp

Der Energiekonzern Vattenfall will die Anlage mit einer Wärmeleistung von 30 Megawatt am Nachmittag starten. Das Unternehmen hatte 70 Millionen Euro in den Bau investiert. Mit der Technik soll der Klimakiller Kohlendioxid während des Brennprozesses abgeschieden und aufgefangen werden, um ihn dann unter der Erde zu lagern.

Nach Unternehmensangaben kann die CO2-Angabe an die Atmosphäre auf diese Weise um mehr als 90 Prozent gesenkt werden. Eine in Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus entwickelte Brennkammer arbeitet nach dem so genannten Oxyfuel-Verfahren: Dabei muss die Kohle mit reinem Sauerstoff anstelle der sonst in Kraftwerken verwendeten Luft verbrannt werden, um das entstehende Kohlendioxid abtrennen zu können.

Die Erkenntnisse aus der Pilotanlage will Vattenfall nutzen, um bis spätestens 2015 zwei Demonstrationskraftwerke mit zehn Mal höherer Leistung in Deutschland und Dänemark zu bauen. Diese sollen dann im Gegensatz zum Brennkessel in Schwarze Pumpe auch Strom erzeugen.

"Ein Feigenblatt von Vattenfall"

Die Grünen und Umweltaktivisten kritisierten die Technologie als Bremse beim Ausstieg aus der Kohleverstromung. Die Umweltschutzorganisation "Robin Wood" protestierte vor der neuen Anlage. Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn sagte, Vattenfall rede das Vorhaben schön, um den Neubau klimaschädlicher Kohlekraftwerke durchzusetzen. "Die Technologie ist ineffizient, unausgereift und teuer. Und noch niemand weiß, ob die Lagerung des CO2 im Tiefengestein überhaupt funktionieren wird." Wenn überhaupt, werde sie erst in 15 bis 20 Jahren großtechnisch einsetzbar sein.




"Für uns ist das ein Feigenblatt von Vattenfall", sagte "Robin Wood"-Aktivist Daniel Häfner. "Ob die Technik ökonomisch und ökologisch umsetzbar ist, ist noch völlig offen." Die Frage der CO2-Endlagerung sei noch nicht geklärt, und für die Technologie würden 20 bis 30 Prozent mehr Energie benötigt als für die ohnehin wenig effiziente Braunkohleverstromung. Außerdem gerate aus dem Blick, dass der Braunkohleabbau die Landschaft zerstöre.

Der WWF hingegen begrüßte den Start der Anlage als "Versuchsballon zum Klimaschutz". Zwar sei diese Technik kein Patentrezept im Kampf gegen den Klimawandel. An der weiteren Erforschung des umstrittenen Verfahrens führe aber kein Weg vorbei. "Es bringt nichts, die Technik ungeprüft zu verteufeln und damit leichtfertig eine Chance im Klimaschutz zu verspielen", sagte Regine Günther, die Leiterin des WWF-Klimabereichs in Deutschland.

Allerdings bestehe die Gefahr, dass die Energiekonzerne versuchten, das Verfahren als "trojanisches Pferd zu missbrauchen", um neue Kohlekraftwerke durchzusetzen. Auf vage Versprechen, heute konventionelle Kraftwerke zu bauen und sie später mit CO2-Abtrennungstechnik nachzurüsten, dürfe sich die Politik nicht einlassen. Der WWF fordert ein Moratorium für neue Kohlekraftwerke.

Quelle: afp2

 
Artikel der Rubrik Wissen
 
Verlinken Sie auf diesen ArtikelVerlinken Sie auf diesen Artikel
 
 
Autor: Chaoskopp | 09.09.08 11:59 (1/1)
?
Warum verkaufen die ihr verflüssigtes CO2 nicht? An die chemische Industrie zur weiterverarbeitung z.B. So könnten sie aus einem Abfallprodukt noch was nützliches machen und sogar ein paar...
Kommentar lesenswert?   Weiterlesen und bewerten

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:



 
BLOGEINTRÄGE ZU DIESEM ARTIKEL

powered by
google
Fragen, Kritik, Ideen? Schreiben Sie uns!
TOP-SERVICES
SERVICE

Handy-Tarife vergleichen

Zahlen Sie zu viel? Mit dem Verivox-Rechner können Sie den besten Handy-Tarif für sich finden. mehr 

BILDER & GESCHICHTEN
Der 26-jährige Türke Sultan Kosen ist der größte Mann der Welt. Mit stolzen 2,47 Meter hatte er den 2,36 Meter großen Chinesen Bao Xishun entthront. Er hoffe, nun da er berühmt sei, reisen zu können und ein an seine Körpergröße angepasstes Auto zu haben, sagte er bei Foto-Aufnahmen für das neue Guinness-Buch der Rekorde in London.  Auch in der 2010er-Ausgabe gibt es wieder jede Menge schräge und ausgefallene Rekorde. Wir zeigen Ihnen einige Beispiele: Die verrücktesten Guinness-Rekorde
Seit Anfang September ist das neue "Gunniss-Buch der Rekorde" im Handel. Auch in der 2010er-Ausgabe... mehr 
 
Spinat macht groß und stark und drei Liter Wasser am Tag sind das Minimum. Viele Gerüchte kursieren rund um die Ernährung. Viele davon stimmen aber gar nicht. Hier kommt die Aufklärung: Ernährungsmythen aufgedeckt
Viele Gerüchte kursieren rund um die Ernährung. Viele davon stimmen aber gar nicht. Hier kommt... mehr 
 
Die höchste Geschwindigkeit einer unbemannten Raumsonde erreichten die unter Beteiligung Deutschlands und der USA gebauten Helios 1 und 2. Relativ zur Sonne flogen sie mit 70.200 Metern pro Sekunde. Die größten Rekorde im Weltraum
Skurril, seltsam und unglaublich: von den Weltrekorden gibt es eine neue Auflage. Immer wieder... mehr 
 
Behauptung: Nach der Wiedervereinigung gab es fünf neue Bundesländer
Wahrheit: Streng genommen gab es sechs neue Länder. Neben Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen muss auch Berlin als neues Bundesland angesehen werden. Wenn es auch nach Artikel 23 GG a.F. als Bundesland („Groß-Berlin“) betrachtet wurde, so hatte Berlin (West) von 1945 bis 1990 stets einen Sonderstatus und war offiziell kein Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Populäre Irrtümer - Wir klären auf!
Ein populärer Irrtum ist ein Irrtum, der sich in weiten Teilen der Bevölkerung durchgesetzt... mehr 
IHR RP ONLINE
facebook Werden Sie unser Freund bei Facebook   Twitter Aktuelle News sowie Infos aus der Redaktion - direkt bei Twitter   Für Düsseldorf, Duisburg, Leverkusen, Solingen, Remscheid und Mönchengladbach haben wir Heimatprofile angelegt. Werden Sie unser Freund bei StudiVZ/MeinVZ
 


NEUE PARTNER
www.oberschlesisches-landesmuseum.de
Die Vorstellung von Schlesien wandelt sich. Zur Partnerregion von NRW gibt es vielfältige historische und aktuelle Bezüge. Das Oberschlesische Landesmuseum entwickelt die Zusammenarbeit zwischen Deutschen, Polen und Tschechen.
mehr Infos
 
WEITERE AKTUELLE NACHRICHTEN VON RP ONLINE
 
 
 
 
 
Kalaydo stellen auto immobilien marktplatz inserieren
 
Aktuelles aus der Region Services Suche Videos
Einloggen Gast