Düsseldorf (RPO). Der Mount Everest - sagenumwobener höchster Berg der Welt. Nahezu unerreichbar. Nur Helden war es vorbehalten, seinen Gipfel zu erklimmen. Sir Edmund Hillary wurde nach der Erstbesteigung von der Queen zum Ritter geschlagen. Heute verkommt der einst mythische Berg zum Rummelplatz.
Nach Hillarys Erstbesteigung begann eine wahnwitzige Jagd nach Rekorden. Mehr als 3000 mal wurde der Gipfel auf 8850 Metern Höhe seitdem erklommen. Mit steigender Tendenz. In absehbarer Zeit werden sich die heutigen Abenteurer auf dem 8000er gegenseitig auf die Füße steigen.
Sie sind auf der Suche nach dem Abenteuer. Viele aus sportlichem Ehrgeiz, viele, weil sie auf der Suche nach ihren Grenzen neue Extreme suchen. Resultat: Eine aberwitzige Jagd nach neuen Rekorden. Ski- und Snowboard-Abfahrten vom Gipfel, der jüngste Bergsteiger immer jünger, der älteste immer älter.
Eine Folge: Der Berg verkommt zur Müllhalde. Alljährlich macht der japanische Bergsteiger Ken Noguchi eine Säuberungsaktion auf den Hauptrouten. bei seiner jüngsten Aktion im Mai 2007 las er eine halbe Tonne Unrat auf, den kommerzielle Expeditionen auf dem Mount Everest hinterlassen hatten. Seit Beginn seiner Kampagne im Jahr 2000 brachte er insgesamt schätzungsweise neun Tonnen Müll ins Tal.
Das Jahr 2001 ging als ein Jahr der besonders bizarren Ereignisse in die Geschichte des Mount Everest ein. Zunächst fuhr der Österreicher Stefan Gatt auf einem Snowboard den Berg hinunter, auf ihn folgte das französische Paar Claire und Bernier Roche, das mit einem Paraglider vom Gipfel sprang. Im gleichen Jahr folgte Temba Tsheri Sherpa aus Nepal, mit 16 Jahren der bisher jüngste Bezwinger des Berges.
Für den Schlusspunkt sorgte der Amerikaner Erik Weihenmayer - der erste Blinde auf dem Gipfel. An einem Tag dieses ominösen Jahres sollen sich sage und schreibe 89 Menschen dort oben auf dem Berg getummelt haben. Der Mount Everest als Tourismusmagnet.
2006 geht es ebenfalls hoch her. Zu der neuesten Zuspitzung am Mount Everest gehören zum Beispiel der erste Mensch mit zwei Beinprothesen, das erste Playboy-Model und der erste Mensch, der sich auf dem Gipfel teilweise nackt ausgezogen hat.
Müll, Rekorde und Kommerz. Auch das ist ein Erscheinungsbild des neuen Abenteurertums, das stets neue Herausforderungen sucht. Als logische Folge der stetig besser werdenden Ausrüstung, der immer besseren Planbarkeit.
Doch immer noch ist der Berg ein Monstrum, eine Naturgewalt. Viele sind der Droge Mount Everest bereits zum Opfer gefallen. Blitzartig kann das Wetter umschlagen. Auf dem Gipfel herrschen Temperaturen von minus 30 Grad. Mehr als 200 Bergsteiger sind schon am Mount Everest ums Leben gekommen
Das ficht die Rekordjäger der Moderne nicht an. Der inzwischen 75-jährige Japaner Yuichiro Miura will sich seinen Rekord zurückholen. Im Jahr 2003 hatte er ihn an seinen Landsmann Tahao Arayama verloren. Der war zum Zeitpunkt der Ersteigung drei Tage jünger als Miura.
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