Die sieben neuen Weltwunder: Unesco übt harsche Kritik
zuletzt aktualisiert: 08.07.2007 - 14:18München (RPO). Nach der Wahl der sieben neuen Weltwunder hat die Weltkulturorganisation Unesco Kritik geübt und sich von der Kampagne distanziert.
Die "Neuen sieben Weltwunder" seien das Resultat einer Privataktion. Dieses reflektiere nur die Meinung derjenigen mit Internet-Anschluss. Auch müssten die Auswahlkriterien wissenschaftlich definiert werden. Webers Medienkampagne sei nicht mit dem Prozess zu vergleichen, den ein Kandidat durchlaufen müsse, um auf der Unesco-Weltkulturerbeliste verzeichnet zu werden.
Die sieben neuen Weltwunder sind am Samstagabend bei einer Zeremonie in Lissabon bekannt gegeben worden. Fast 100 Millionen Teilnehmer haben die Bauwerke bei der Internetwahl bestimmt. Das bayerische Schloss Neuschwanstein darf sich demnach nicht mit dem Titel Weltwunder schmücken.
Das Märchenschloss von König Ludwig II. bei Füssen schaffte es bei der Wahl nur auf Platz acht, wie die Initiative "Ein Weltwunder für Deutschland" mitteilte. Bei der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses lagen die Ruinen von Chichen Itza in Mexiko, die Chinesische Mauer, die Jesus-Statue in Rio de Janeiro, das Kolosseum in Rom, die Inka-Stadt Machu Picchu in Peru, die Felsenstadt Petra in Jordanien und das Mausoleum Taj Mahal in Indien vor Neuschwanstein.
Neuschwanstein bleibt "Top-Ziel"
Der Sprecher der Initiative "Ein Weltwunder für Deutschland", der ostallgäuer Landrat Johann Fleschhut (Freie Wähler), sagte: "Auch wenn Neuschwanstein als achtes Weltwunder aus der Kampagne hervorgegangen ist, bleibt es ein internationales Top-Ziel für Gäste aus aller Welt." Auch künftig rechne er jährlich mit mehr als 1,2 Millionen Gästen auf dem Schloss.
"Erstmals in der Geschichte konnten alle Bürger der Welt wählen und entscheiden", sagte der Schirmherr der Veranstaltung, der Portugiese Diogo Freitas do Amaral. Die Abstimmung war von dem Schweizer Filmemacher Bernard Weber initiiert worden. Zur Auswahl standen 21 zuvor bestimmte Bauwerke, darunter auch das Schloss Neuschwanstein, der Eiffelturm und die New Yorker Freiheitsstatue.
Bei der in 170 Ländern live im Fernsehen übertragenen Feier im Luz-Stadion in Lissabon waren zahlreiche internationale Stars vertreten. Hollywood-Schauspielerin Hilary Swank moderierte den Abend zusammen mit ihrem britischen Kollegen Ben Kingsley. Die US-Schauspielerin und Sängerin Jennifer Lopez gab ein Konzert. Außerdem waren der frühere US-Astronaut Neil Armstrong, der portugiesische Fußballstar Cristiano Ronaldo und Regierungschef José Socrates dabei.
Von den ursprünglichen sieben Weltwundern, die etwa 200 vor Christus im antiken Griechenland ausgewählt wurden, stehen heute nur noch die Pyramiden von Gizeh. Diese liefen den Organisatoren zufolge in der Abstimmung "außer Konkurrenz". Sie hätten einen Status als "Ehren-Weltwunder". Die Weltkulturorganisation UNESCO, die für die Bestimmung und Erhaltung des Weltkulturerbes zuständig ist, distanzierte sich von der Aktion.
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