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Zu Unrecht geächtet: Warum Schadenfreude so wichtig ist

zuletzt aktualisiert: 17.06.2005 - 08:03

Leinfelden (rpo). "Schadenfreude ist die schönste Freude." Das weiß schon der Volksmund zu berichten. Wer kann sich schon eine gewisse Heiterkeit verkneifen, wenn zum Beispiel jemand auf einer Bananenschale ausrutscht? Genau aus diesem Grund hat die Schadenfreude nicht den besten Ruf, ihr haftet etwas Niederträchtiges und Unanständiges an. Zu unrecht, wie Psychologen jetzt erkannt haben.

Schadenfreude ist nicht nur die angeblich schönste Freude, sie ist auch eine wichtige Freude.  Foto: CP, AP
Schadenfreude ist nicht nur die angeblich schönste Freude, sie ist auch eine wichtige Freude. Foto: CP, AP

Schadenfreude, so ihre Theorie, zeugt eigentlich von einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Die Basis der Schadenfreude sei die grundlegende menschliche Gesellschaftsstruktur, schreibt das Wissenschaftsmagazin "bild der wissenschaft" in seiner Juli-Ausgabe. Darin gibt es nämlich, wie bei praktisch allen Primaten, eine hierarchische Hackordnung, in der sich jeder ständig behaupten und beweisen muss.

Wo sich der einzelne selbst positioniert, definiert sich dabei hauptsächlich durch den Vergleich mit anderen - mit der Folge, dass jeder Verdacht, ein anderer könnte zu Unrecht Vorteile genießen oder besser dastehen, als potenzielle Gefahr für die eigene Stellung empfunden wird.

Frohlockender Gerechtigkeitssinn

Stößt nun ein Missgeschick einen solchen Glückspilz von seinem Podest, so dass er sich plötzlich auf einer niedrigeren Stufe der Hierarchie befindet, frohlockt unser Gerechtigkeitssinn. "Der klugen Leute Ungeschick stimmt uns besonders heiter; man fühlt doch für den Augenblick sich auch einmal gescheiter", formulierte bereits Wilhelm Busch dieses Gefühl. Selbst wenn diese Umkehrung der Hackordnung nur einen kleinen Moment andauert, bringt sie doch das eigene Weltbild wieder in Ordnung.

Natürlich reizt nicht jedes Unglück, das einem Mitmenschen widerfährt, zum Lachen. Nur wenn schon zuvor ein Gefühl von Neid dem Betroffenen gegenüber existiert, entscheidet das Gehirn "Geschieht ihm ganz recht" und initiiert die Schadenfreude. Voraussetzung ist allerdings, dass der Schaden eher gering ist und man ihn nicht verschuldet hat.

Das zeigt auch eine ganze Reihe von Studien, beispielsweise die des israelischen Psychologen Shlomo Hareli und seines amerikanischen Kollegen Bernard Weiner. Darin hatten die Forscher einige Studenten gebeten, sich eine Situation vorzustellen, in der sie mit einem augenscheinlich ungerechtfertigt bevorzugten Kommilitonen konkurrierten. Verpatzte dieser beneidete Kollege eine Prüfung, war die Schadenfreude groß. Wurde er jedoch vom gesamten Studium ausgeschlossen, verspürten die Probanden eher Mitleid als Schadenfreude.

Urmotiv des Lachens

Die Situation ändert sich allerdings, wenn nicht nur Neid, sondern auch Hass oder Widerwille die Triebkräfte der Schadenfreude sind. Dann sind es nicht nur die kleinen Ungeschicklichkeiten, die zum hämischen Lachen reizen, sondern auch die großen Unglücke. Wurde den Probanden beispielsweise der imaginäre Kommilitone als echter Widerling präsentiert, freuten sie sich nicht nur über die vergeigte Prüfung, sondern auch über den Uniausschluss.

Einige Experten gehen sogar so weit, die Schadenfreude als eine Art Urmotiv des Lachens zu betrachten - eine Idee übrigens, die schon Sigmund Freud zugeschrieben wird. Das zeige sich schon an dem riesigen Erfolg der vielen Fernsehkonzepte, die auf die Schadenfreude bauen, wie "Pleiten, Pech und Pannen", "Verstehen Sie Spaß?" oder viele der modernen Comedy-Shows, schreibt "bild der wissenschaft".

Doch der Mensch hat kein Monopol auf Schadenfreude, glauben zumindest russische Anthropologen. Ihr Beweis: Die merkwürdigen Gewohnheiten des Schimpansenmannes Styopa. Der versteckte nämlich seine persönlichen Ausscheidungen hinter seinem Rücken, und zwar genau so lange, bis sich ihm ein Besucher näherte.

Den deckte er dann schonungslos mit einer vollen Ladung ein, während ihm die Freude buchstäblich ins Gesicht geschrieben stand: "Styopas Gesichtsausdruck dabei war eindeutig der von Schadenfreude: eine Mischung aus Boshaftigkeit, Verschmitztheit, Neugier und Verspieltheit."

Quelle: afp

 
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