Neue Theorie zur Evolution: Wechseljahre dienen dem Wohl der Enkel
zuletzt aktualisiert: 02.07.2010 - 19:11London (RPO). Kümmert sich die Großmutter, die selbst keinen Nachwuchs mehr bekommen kann, um ihre Enkel, haben diese eine höhere Überlebenschance. Diese vor über 50 Jahren geborene Hypothese ist nun von englischen Forschern anhand einer aufwendigen Modellrechnung bestätigt worden. Bei der Entwicklung einer Population aus mehreren Gruppen erweist sich danach die Menopause als wertvolle Hilfe im Evolutionsprozess, um die Zukunft der Enkel abzusichern.
Dass die altersbedingte Unfruchtbarkeit auch im Sozialverband bei Orcas und Pilotwalen auftrete, liege ebenso in den am "Erhaltungstrieb" beteiligten Genen, schreiben die Wissenschaftler um Rufus Johnstone von der University of Cambridge in der Online-Ausgabe des Fachmagazins "Proceedings of the Royal Society B".
"Die Menopause tritt nur bei Menschen, den Orcas und den Pilotwalen auf, bei allen anderen langlebigen Säugetieren bleiben die Weibchen ein Leben lang fruchtbar", erklärt Co-Studienautor Michael Cant. Seit über 50 Jahren wird als Begründung für die Menopause beim Menschen die Großmutter-Hypothese diskutiert, die durch die Verwandtenselektion unterstützt wird: Wird selbstloses Verhalten gezeigt - wie die Hilfe bei der Aufzucht von Nachwuchs im Verwandtenkreis -, so fördert dies die Weitergabe des eigenen Erbguts. Die Fitness im Selektionsprozess hängt schließlich von der Anzahl der Neugeborenen und deren Überlebenswahrscheinlichkeit ab.
Mit einer Modellrechnung haben nun die Wissenschaftler die Hypothese überprüft. Sie berechneten den genetischen Bestand einer Population über drei Generationen. Einbezogen wurden Parameter wie Abwanderung von jungen Gruppenmitgliedern, Wettbewerb unter den fortpflanzungsfähigen Individuen, Sterblichkeit der Erwachsenen oder auch die Zahl des Nachwuchses. Ergebnis: Verlassen junge Weibchen zur Familiengründung den Verband, so nimmt die Hilfsbereitschaft für den Nachwuchs der Tochtergeneration zu - und somit die Überlebenschancen der Enkel. Die Männchen hingegen sind durch den Wettbewerb um Weibchen in der Entwicklung von Fürsorge gebremst.
"Obschon das Sozialverhalten von Orcas, Pilotwalen und Menschen sehr unterschiedlich ist, gibt es eine Verbindung: Ihre Sozialsysteme bringen die weiblichen Gruppenmitglieder dazu, dass sie mit zunehmendem Alter eine enge Beziehung zu der Verwandtschaft aufbauen", berichtet Cant. Zwar verbleiben die weiblichen und männlichen Orcas und Pilotwale lebenslang in dem Familienverband, doch auch hier entwickeln die Weibchen nach Feldstudien mit zunehmendem Alter eine sehr enge Bindung an den gesamten Nachwuchs des Verbands, schreiben die Forscher.
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