Simulierte Mars-Expedition: 105 Tage auf engstem Raum
zuletzt aktualisiert: 11.12.2008 - 16:53Paris (RPO). Ein Alptraum für Menschen mit Bewegungsdrang: Im März beginnt ein erster Isolationstest für die bemannte Mars-Raumfahrt. 105 Tage auf engstem Raum ohne Privatsphäre - ein echter Härtetest.
Dass das Experiment keine Vergnügungsreise wird, weiß Oliver Knickl. Dennoch hofft der 28-jährige Bundeswehr-Ingenieur, dass er mit von der Partie sein wird, wenn im März in einem Raumschiffnachbau in der Nähe von Moskau ein erster Isolationstest zur Vorbereitung einer bemannten Mars-Mission beginnt. Die Europäische Raumagentur ESA stellte den Hamburger, drei Franzosen und einen Schweden am Donnerstag in Paris als mögliche Teilnehmer vor. Aber nur zwei von ihnen werden tatsächlich gemeinsam mit vier Russen an dem Test teilnehmen, die anderen sollen in Notfällen einspringen.
Exakt 105 Tage lang soll die Crew auf engstem Raum und unter extremen Bedingungen testen, wie Menschen sich bei einem Raumflug in Richtung Mars verhalten würden. In dieser Zeit werden die Teilnehmer mit der Außenwelt nur über Funk oder E-Mail kommunizieren können, wobei die Kontakte bis zu 40 Minuten dauern können - wie dies bei einer echten Mission zum roten Planeten der Fall wäre. Das abgepackte Essen wird streng rationiert. Wenn einer der Test-Astronauten krank wird, kann er sich nur auf sich selbst und seine Kameraden in der künstlichen Raumstation verlassen.
Als Zeitvertreib sind medizinische Untersuchungen, Körpertraining, Test an einer simulierten Marsoberfläche sowie Wartungs- und Reparaturarbeiten an der Raumstation geplant. Vergolten wird die physisch und psychisch aufreibende Tätigkeit mit rund 3600 Euro brutto im Monat - deutlich weniger, als die Teilnehmer auf dem freien Markt verdienen können.
Trotz dieser nicht gerade einladenden Aussichten meldeten sich 5600 Interessenten, als die ESA im Juni 2007 Kandidaten für die simulierte Marsmission suchte. Voraussetzung waren ein abgeschlossenes Hochschulstudium, gute körperliche und psychische Verfassung sowie fließende Englisch- und Russischkenntnisse. Nach einem langen Ausleseverfahren blieben nun schließlich fünf Kandidaten übrig.
Mit dem Isolationstest will die ESA gemeinsam mit dem Russischen Institut für Biomedizinische Probleme testen, wie Menschen sich unter so extremen Bedingungen verhalten. Untersucht wird beispielsweise, inwieweit das monotone Leben abgeschlossen von der Außenwelt und der hohe Leistungsdruck Stress, Depressionen oder Spannungen innerhalb der Crew auslösen können.
Die 105 Tage sind freilich nur ein Testlauf für das nächste Isolationsexperiment, das dann sogar 520 Tage dauern soll. Dies ist die Zeit, die eine echte Mars-Mission mindestens dauern würde - zum bestmöglichen Zeitpunkt, wenn der Rote Planet "nur" 55 Millionen Kilometer von unserer Erde entfernt ist. Eine solche Mission fasst die ESA allerdings frühestens in 30 Jahren ins Auge. Die Teilnehmer an den Isolationstests werden dann zu alt sein. Immerhin können sie aber hoffen, dass ihr Beitrag echten Mars-Pionieren den Weg ebnet.
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