Köln (RPO). Heute soll endlich die Mission "Dawn" ihren Anfang nehmen. Die Sonde soll sich auf eine lange Reise zu den Ursprüngen unseres Sonnensystem machen. Acht Jahre dauert die Reise in den Asteroidengürtel zwischen innerem und äußerem Sonnensystem.
Die Sonde "Dawn" soll eine lange Reise antreten. Foto: AP
Auf dem US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral läuft der Countdown für eine Reise in die Morgendämmerung des Sonnensystems: Mit zwei deutschen Kameras an Bord soll am Donnerstag die US-Raumsonde "Dawn" zu einer achtjährigen Mission in den Asteroidengürtel starten - jenes Band zwischen innerem und äußerem Sonnensystem, in dem hunderttausende Kleinkörper als Überbleibsel aus der Zeit der Planetenbildung die Sonne umkreisen. "Dawn" soll die Asteroiden Vesta und Ceres erforschen. Vom Besuch bei den Himmelskörpern, die zwischen 320 und 450 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt sind, erwarten die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Planetenentstehung.
Bei der Beobachtung der beiden großen Asteroiden kommt den deutschen Kameras eine wichtige Rolle zu. Entwickelt wurden die baugleichen Aufnahmesysteme vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau. Beide Kameras - übrigens die ersten aus ausländischer Produktion bei einer NASA-Mission in die Tiefe des Sonnensystems - können Bilder von Vesta und Ceres durch einen farbneutralen Filter sowie sieben Farbfilter aufnehmen. Sie sollen unter anderem dazu beitragen, die geologische Beschaffenheit und das Landschaftsprofil beider Asteroiden zu erkunden.
Nachdem der Start der unbemannten Sonde "Dawn" im Juli gleich zweimal wegen schlechten Wetters und technischer Schwierigkeiten verschoben werden musste, hoffen die Wissenschaftler nun auf einen reibungslosen Countdown bis zum geplanten Starttermin am Donnerstagmittag deutscher Zeit. "'Dawn' wird eine ganz außergewöhnliche Mission werden", zeigt sich Ralf Jaumann vom DLR-Institut für Planetenforschung optimistisch. "Mit diesem System werden wir eine Art Zeitreise in die Frühzeit des Sonnensystems unternehmen können."
Hintergrund ist die unterschiedliche Entwicklung, die Vesta und Ceres sei ihrer nahezu zeitgleichen Entstehung zu Beginn des Sonnensystems von rund 4,6 Milliarden Jahren genommen haben. So gilt die sonnennähere Vesta, die "Dawn" voraussichtlich 2011 erreichen wird, mit ihren 520 Kilometern Durchmesser als "trockener" Asteroid. Ceres, mit 960 Kilometern Durchmesser größter Himmelskörper im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, weist dagegen wegen seiner größeren Sonnenferne einen höheren Anteil an leichten und flüchtigen Elementen auf - in seinem Inneren vermuten manche Wissenschaftler sogar Wasser. "Dawn" soll 2015 in eine Umlaufbahn um Ceres einschwenken - die Sonde wird dann gut fünf Milliarden Kilometer zurückgelegt haben.
"Mit den Kameras, die wir gemeinsam mit den Max-Planck-Kollegen gebaut haben, werden wir ein detailreiches Bild der beiden Asteroiden erhalten", ist Jaumann sicher. Mit ihrem Beitrag zur "Dawn"-Mission betreten die deutschen Forscher durchaus kein Neuland: Das DLR-Institut für Planetenforschung verfügt über langjährige Erfahrung in der Verarbeitung von Stereo-Bilddaten - vor allem durch die dreidimensionale Kartierung der Marsoberfläche, die durch Bilder der deutschen HRSC-Kamera an Bord der Raumsonde "Mars Express" gelang.
200 Jahre nach der Entdeckung von Vesta durch den Bremer Arzt und Astronomen Heinrich Olbers im Jahr 1807 ist "Dawn" die erste Raumsonde, die zwei der größten Asteroiden besuchen und aus Umlaufbahnen erforschen wird. Zuvor hatten bereits die amerikanischen Missionen "Galileo", "NEAR", "Deep Space-1" und "Stardust" mehrere kleine Himmelskörper im Asteroidenband untersucht, ebenso die japanische Sonde "Hayabusa". Ceres wurde 1801 von Giuseppe Piazzi entdeckt und erst 2006 in den Rang eines Zwergplaneten erhoben. Dieser neu geschaffenen Klasse von Körpern des Sonnensystems gehören auch der Ex-Planet Pluto und der Himmelskörper Eris an. Beide ziehen allerdings im Gegensatz zu Ceres im so genannten Kuiper-Gürtel des äußeren Sonnensystems ihre Bahnen.
Weitere Fotos zu diesem Thema
Quelle: afp