Längste Sonnenfinsternis des 21. Jahrhunderts: Asien versinkt in der Dunkelheit
zuletzt aktualisiert: 22.07.2009 - 06:30Taregna/Indien (RPO). Asien ist am frühen Morgen Zeuge der längsten Sonnenfinsternis des 21. Jahrhunderts geworden. Das Naturschauspiel hat weite Teile des Kontinents in Dunkelheit versinken lassen. Millionen Menschen bestaunten den seltenen Vorgang, obwohl eine dichte Wolkendecke das Schauspiel vielerorts trübte.
Im westindischen Bundesstaat Gujarat verfinsterte sich die Sonne um 2.53 Uhr, in China war das Spektakel ab 3.13 Uhr zu beobachten. Der Korridor in einer Breite von 258 Kilometern zog von Indien über Nepal, Bhutan, Bangladesch, Birma und China zu den südjapanischen Inseln. Nach den Berechnungen der Astronomen hatte er eine Länge von 15.000 Kilometern.
In Bombay war das Himmelsschauspiel wegen Monsun-Regenwolken nicht direkt zu beobachten. Im Nehru-Planetarium erwiesen sich die speziellen Sonnenbrillen als wertlos, die Beobachter waren in Regenjacken gehüllt und spannten ihre Regenschirme auf.
Auch in Shanghai regnete es während der Sonnenfinsternis zeitweise, einige Beobachter konnten das Himmelsschauspieler jedoch wahrnehmen, als die Wolkendecke kurz aufriss. "Die Wolken zogen auf, dann bildeten sich Lücken und plötzlich habe ich es gesehen", schwärmte der Geschäftsmann Glenn Evans aus den USA, der in Shanghai arbeitet.
Bei einer Sonnenfinsternis stehen Mond, Erde und Sonne kurzfristig auf einer Linie, wobei der Mond um rund ein Fünfzehntel seines Durchmessers größer als die Sonne ist und diese verdeckt. Bei einer totalen Sonnenfinsternis wird dann der als Strahlenkranz erscheinende Bereich der Sonnenatmosphäre, die sogenannte Korona, sichtbar.
Zudem erscheinen auf der Erde "fliegende Schatten". Dies sind bis zu einem Meter breite Schattenstreifen, die kurz vor und nach der totalen Sonnenfinsternis über die Erde huschen und von Ungleichmäßigkeiten in der optischen Dichte der Luft hervorgerufen werden, wenn sie von der dünnen Sonnensichel durchschienen werden.
Nächste große Finsternis erst 2132
Die Sonnenfinsternis überzog einige der meistbewohnten Gegenden der Welt, so dass sie die größte Beobachterschar in der Geschichte der Menschheit gehabt haben dürfte. Eine Finsternis ähnlichen Ausmaßes haben die Astronomen erst wieder für das Jahr 2132 errechnet. Die nächste Sonnenfinsternis wird sich am 11. Juli 2010 ereignen, jedoch lediglich im Südpazifik zu beobachten sein.
Das Himmelsereignis rief bei den Bewohnern der betroffenen Gebiete die unterschiedlichsten Reaktionen hervor. Ein Sonderflug der Firma Cox and Kings hob von Neu Delhi Richtung Osten ab, um den Fluggästen eine direkte Beobachtung der Finsternis zu ermöglichen. Die 21 Sitzplätze der Boeing 737-700 auf der Sonnenseite wurden für 79.000 Rupien (rund 1200 Euro) verkauft.
In Neu Delhi verschoben etliche Schwangere die für diesen Tag geplante Geburt per Kaiserschnitt. In der heiligen indischen Stadt Kurukshetra kamen eine Million Pilger zusammen. Viele nahmen während der Sonnenfinsternis ein Bad zur Seelenreinigung. In den Ufercafés in Shanghai wurden spezielle Sonnenfinsternis-Frühstücke serviert.
Die Finsternis dauerte je nach Standort unterschiedlich lange. Das Maximum wurde mit sechs Minuten und 39 Sekunden über dem Pazifik erreicht. Sonnenfinsternisse faszinieren die Menschheit seit jeher. In China wurde das Phänomen, bei dem sich der Mond zwischen Erde und Sonne schiebt und damit einen Schatten auf die Erde wirft, traditionell so erklärt, dass ein Drache das Himmelsgestirn verschluckt.
In der hinduistischen Mythologie werden die Dämonen Rahu und Ketu für die Verfinsterung verantwortlich gemacht. Der 22. Juli sei ein "sehr gefährlicher Moment im Universum", sagte der indische Astrologe Raj Kumar Sharma. "Wenn die Sonne, die Anführerin unter den Gestirnen, krank ist, dann bedeutet das, dass es auf der Welt große Probleme geben wird."









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