Centaurus A: Blick auf die "Essensreste" einer Kannibalengalaxie
zuletzt aktualisiert: 24.11.2009 - 14:35Düsseldorf (RPO). Centaurus A ist mit einem Abstand von elf Millionen Lichtjahren die uns nächste elliptische Riesengalaxie, und eines der am genauesten untersuchten Objekte des Südhimmels. Und ein ganz schön gefräßiges dazu, eine wahre Kannibalengalaxie.
Ihr ungewöhnliches Erscheinungsbild hatte bereits 1847 die Aufmerksamkeit des berühmten britischen Astronomen John Herschel auf sich gezogen, der eine Durchmusterung des Südhimmels vorgenommen und eine umfassende Liste von Nebeln erstellt hatte.
Was Herschel noch nicht wissen konnte, ist, dass das spektakuläre Aussehen der Galaxie auf ein undurchsichtiges Staubband zurückgeht, das den Zentralbereich der Galaxie verdeckt. Aus heutiger Sicht ist dieser Staub stummer Zeuge eines gewaltigen kosmischen Ereignisses: Vor 200 bis 700 Millionen Jahren, so die heutige Erklärung, hat diese Galaxie sich eine kleinere, gas- und staubreiche Spiralgalaxie einverleibt.
Deren Reste sind noch heute in der Zentralregion von Centaurus A nachweisbar, und führen dort höchstwahrscheinlich dazu, dass sich neue Generationen von Sternen bilden.
Blick auf die "Essensreste"
Einen ersten Blick auf diese “Essensreste” hatte bereits das Infrared Space Observatory (ISO) der europäischen Raumfahrtagentur ESA ermöglicht. Die Bilder zeigten eine rund 16500 Lichtjahre breite Struktur, die an eine kleine Balkenspiralgalaxie erinnert. In jüngerer Zeit haben Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Spitzer der NASA gezeigt, dass die Struktur eher die Form eines Parallelogramms besitzt.
Die jetzt veröffentlichte Abbildung nutzt ein neues Verfahren, mit dem die Astronomen geradezu durch den Staub hindurchsehen können. Das Ergebnis ist ein beispiellos klarer Blick auf das Zentrum von Centaurus A.
Supermassereiches Schwarzes Loch
Vorangehende Beobachtungen hatten bestätigt, dass im Zentrum von Centaurus A ein supermassereiches Schwarzes Loch lauert. Die Masse dieses Schwarzen Lochs entspricht rund 200 Millionen Sonnenmassen, dem 50fachen der Masse des Schwarzen Lochs im Zentrum unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Im Gegensatz zu den Verhältnissen im Zentrum der Milchstraße wird das zentrale Schwarze Loch von Centaurus A kontinuierlich mit neuer Materie gefüttert.
Dies macht Centaurus A zu einer aktiven Galaxie: Sie ist eine der hellsten Radioquellen am Himmel (darauf weist bereits das “A” im Galaxiennamen hin), und Radio- und Röntgenbeobachtungen zeigen, dass aus dem Galaxienkern hochenergetische Teilchenströme, so genannte Jets, nach außen geworfen werden.
Das neue Bild von Centaurus A ist ein Paradebeispiel für den ästhetischen Reiz astronomischer Spitzenforschung. Es reiht sich in eine Galerie weiterer beeindruckender Bilder von Centaurus A ein, wie sie etwa mit ESOs Very Large Telescope und dem Wide Field Imager am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop in La Silla (Chile) aufgenommen wurden.
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